Tag 6: Ich bin doch Afrikaner…

 

…aber ich habe die Zeit!

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Okay, wer jetzt vielleicht etwas im Zusammenhang mit der aktuellen Flüchtlingskrise vermutet… völlig daneben. Die Redensart, wonach die Europäer (oder die Deutschen…) die Uhren haben, aber die Afrikaner (oder die Spanier…?) die Zeit hätten, die war mir bis zum Frühjahr völlig unbekannt. Ehrlich, hatte ich noch nie gehört. Aber ich fand sie so witzig, das ich vermutlich den einen oder anderen damit genervt habe.

Heute begann der Tag zäh… und früh. Mitten in der Nacht wachte ich mit Schmerzen im linken Knie auf und konnte mir das nicht erklären. Als ich dann erneut aufwachte, waren die Schmerzen immer noch da und ich kam einfach nicht in Gange. Hatte keine richtige Lust zu packen, hielt mich am Kaffee und der Online-Ausgabe des Hamburger Abendblattes fest und schielte immer wieder auf die Uhr. Knappe 480 Kilometer lagen vor mir und niemand gab mir einen Kick.

Bis mir dann erneut die Redensart einfiel. Von dem Moment an, war alles im Fluß. Es war doch völlig egal, wie lange ich zum Packen brauche und wann ich losfahren würde. Von nun an machte ich alles noch gründlicher, schaltete mir beim Abbau des Zeltes Musik an, trank ziwschendurch einen Kaffee, kurz: ich genoss die Langsamkeit und plötzlich ging es mir viel besser. Es kann manchmal so einfach sein!

Beim Tanken kam ich dann auch der Ursache für die Schmerzen auf die Spur. Ich steige ja immer nach links ab und weil ich das rechte Bein wegen des Packsacks nicht normal über die Sitzbank schwingen kann, hüpfe ich auf dem linken Bein von der Maschine weg. Sieht scheiße aus… geht aber nicht anders. Und dabei scheine ich mir irgendwie den linken Meniskus ramponiert zu haben. Es ist genau diese Bewegung, die viele Fussballer kennen: auf dem Ballen drehen… und schon schmerzt das Knie! Gottseidank darf ich die meiste Zeit sitzen.

Soll ich einen kleine Abstecher machen und Putin besuchen? Ich hätte da schon ein paar Fragen 🙂

Gesessen habe ich heut auch viel, aber nicht nur auf dem Moped. Durch die fantastische finnische Seenlandschaft ging es von Kuopio nach Kuusamo (die Routen werde ich nach meiner Rückkehr einbauen…). Es gab immer wieder atemberaubende Plätze, an denen man (bzw. ich!!) anhalten musste. Und 480 Kilometer sind ja nun auch nicht sooo eine Entfernung. Denn ich habe ja die Zeit.

So kam ich schließlich gegen 17:00 Uhr (finnischer Zeit) auf dem kleinen Matkajoki-Campingplatz an, der ziemlich genau 6 Kilometer hinter Kuusamo liegt. Eigentlich keine Zelte, auf dem Platz werden überwiegend die Hütten genutzt oder Wohnmobilisten stehen hier für eine Nacht. Bezahlt wird nur „Cash“ (steht schon an der Rezeption!). Und deutsch wird hier auch nicht gesprochen. Dafür ist die Lage aber sensationell. Auf einer bewaldeten Anhöhe über einem kleinen See gelegen… so würde ein Maler eine finnische Postkarte entwerfen.

Und dafür 15,00€ pro Nacht… aber „Cash“!

Leider gibt es hier aber keinen Shop oder Restaurant. So bin ich dann nach dem Zeltaufbau zurück in die Stadt und habe einen finnisch-deutschen Lidl-Vergleich gemacht. Ihr ahnt es sicher? Bis auf die Beschriftung und die Preise kein Unterschied. Man kann wirklich blind einkaufen, nur an der Kasse bekommt man eventuell einen Schreck. Und das nicht nur beim Bier!

Anschließend musste ich dann unbedingt in den See. Und das man vom Wasser aus sogar mit Kollegen „whatsappen“ kann, sensationell!

Helge, wo war der Hai??

So das war dieser Supertag, das Wetter erwähne ich jetzt gar nicht mehr, die Bilder sagen glaube ich alles. Morgen geht es dann über den Polarkreis, vermutlich in kurzer Hose und ohne Handschuhe… Stop, das war ein Scherz. Natürlich nicht in kurzer Hose! Aber ich weiß nicht, ob ich es schon erwähnte? Seit Lettland fahre ich ohne Handschuhe. Anders bekomme ich keinen Wind unter die Jacke und würd dann die einzige Lüftung verlieren. Das wäre nicht auszuhalten. Aber jetzt bin ich ja doch wieder beim Wetter gelandet. Also Schluss, aus!

Morgen geht es weiter zum Inari-See!

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