Tag 7

Grundarfjordur

Eigentlich wollten wir heute an einer Walbeobachtung teilnehmen. Die wurde uns ja abgesagt und so wollten wir eigentlich die Halbinsel Snaefellsnes erkunden. Erloschene Vulkane, eine schwarze Kirche, Seelöwen und nicht zuletzt der Kirkjufell (na… wer hat „Game Of Thrones“ gesehen?).

Gutgelaunt ging es morgens los und in Grundarfjordur bemerkten wir (gefühlt!) hunderte von Touristen, die soeben von der Aida Luna ausgespuckt wurden. Da der Hafen von Grundarfjordur zu klein ist, mussten die Passagiere getendert werden, die kleinen gelben Boote fuhren hin und her.

Welche Art des Reisens mir wohl besser gefällt?

Am Kirkjufell angekommen ergatterten wir gerade noch einen guten Platz fürs Photo, amüsierten uns noch ein bisschen über die glückseeligen Gesichter mancher Touristen (es ist nur ein Berg! aus einer Fernsehserie!!) und machten uns dann vom Acker, es wurde einfach zu voll!

Auch hier war Jon Snow schon wieder weg…

Weiter ging es über die 54 auf die 574, immer der Küste entlang. Der frische Duft von Seetang und die langgezogenen Strände erinnerten schon ein bisschen an die Nordsee.

Lost Places…

Schließlich bogen wir hinter Hellissandur zum Skarðsvík Beach ab. Ein kleiner romantischer (?) Strand umgeben von erkalteter Lava und großen rundgeschliffenen Steinen. Wenn es hier bloß warm wäre, ein Traumstrand.

Dann sollte es weitergehen.

Nein, zum Baden ist mir das Wasser zu kalt!

Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass sich unsere Italienerin die letzten Tage etwas zickig anstellte? Sie weigerte sich mehrmals standhaft, beim ersten Startversuch anzuspringen. Beim zweiten oder dritten Mal war sie dann so gnädig, den Motor anzulassen.

Verschiedene Schichten erkalteter Lava

Jetzt wollte sie gar nicht mehr. Zunächst waren wir etwas verdutzt! Dann haben wir gedacht, ein kleiner Schubs sollte wohl reichen… also Sönke rauf, zweiter Gang und ich habe geschubst. Und weiter ging es.

Kurze Zeit später tauchte auf der rechten Seite der Saxhóll auf. Und weil ich noch auf keinem Vulkan war, bogen wir auf den dortigen Parkplatz ab.

Der Saxhóll

Der Aufstieg auf den knapp 300 Meter hohen Krater wurde durch die findigen Isländer mit Stahltreppen etwas erleichtert, das mindert aber nicht die tolle Aussicht von dort oben. Erst hier bekommt man einen Eindruck von der Größe der Lavafelder und ist letztlich froh, eine Million Jahre später hier zu stehen…

Ruhe im Krater… zumindest noch…

Zurück zu unseren beiden Grazien. Jetzt sollte es zu den Seelöwen gehen. Eigentlich.

So war das mit dem Adventure nicht gemeint!!

Die Italienerin wollte wieder nicht! Die Starthilfe mit einem von einem Pärchen aus Winsen/Luhe geliehen Überbrückungskabel verlief ohne Erfolg. Anschieben auf Schotter schien mir keine sooo gute Idee. Also wurde die ADAC-Karte gezückt. Reaktion: fahren Sie zuerst zu Ihrer Unterkunft und rufen Sie noch mal an. Also schob ich Sönke und die Guzzi zur Zufahrt des Parkplatzes (die gottseidank leichtes Gefälle aufwies und beim zweiten Versuch sprang der Motor an! Während ich zurück zur Honda ging (laufen ging nicht mehr 😊) bekam ich von den dortigen Touristen freundlichen Apllaus…

This is ADAC-Calling

Zurück zur Unterkunft und nochmal Kontakt mit dem ADAC aufgenommen. Eine gute Stunde später fuhr ein schwarzer Monstertruck auf den Hof, ein netter Berg von einem Isländer (mit Maurer-Dekolleté) stieg aus und machte sich nach kurzer Problemschilderung ans Werk. Er war wirklich bemüht und versuchte alles was er konnte (während der Truck die ganze Zeit mit laufendem Motor dort stand…), gab aber schließlich klein bei. Sicherungen schienen alle okay zu sein, Kabel waren auch nicht locker, Batterie war auch völlig in Ordnung. Für ihn schien es ein Problem der Elektronik zu sein und da er keine Ahnung von Motorrädern hatte, empfahl er uns, eine Werkstatt in Reykjavik aufzusuchen. Damit wäre die Reise gelaufen…

Wir verabschiedeten uns von ihm und dankten ihm für seine Bemühungen (er hatte wirklich alles in seine Macht stehende versucht!) und gingen zurück in die Unterkunft, wo der Bruder der Wirtin uns nach dem Ergebnis fragte. Als wir ihm die Optionen (Reykjavik, Reiseabbruch) erzählten, meinte er, er kenne da jemanden, der alles repariert. Er bat uns einen Moment zu warten und kam nach zwanzig Minuten mit einer Adresse und einem Namen zurück (Dicki!). Der wohne gleich um die Ecke (60 Kilometer!) und der würde auf uns warten…

Ob das wirklich Sinn macht… so ein Daniel Düsentrieb auf dem Bauernhof?

Egal, wir hatten eh keine andere Chance. Also Klamotten an und auf die andere Seite der Halbinsel hinüber und dort landeten wir in einer (nach deutschen Maßstäben!) Hinterhofwerkstatt. Dicki und sein Sohn schienen uns schon zu erwarten und der Meister selber machte sich nach kurzer Schilderung des Problems an die Arbeit. Und er machte sich zielstrebig an die Arbeit!! Eine Moto Guzzi Stelvio hatte er zwar noch nie gesehen (und er glaubte auch nicht, das auf Island noch eine herum fährt), doch nach einer halben Stunde hätte ich am liebsten vor ihm niedergekniet.

Diagnose und Therapie in knapp 45 Minuten: Dikki „The Wizard“ kniet hinter der Guzzi

Dikki „the wizard“ hatte einen zweiten Sicherungskasten entdeckt (italienische Ingenieure könnte ich würgen!) und dort versteckte sich eine kleine blaue und defekte 1,5A Sicherung…

Der Abend, der Tag und die Reise waren um 18:45 Uhr gerettet!! Und ihr glaubt nicht, welche Alternativen wir durchgegangen waren (z.B. Guzzi per Container nach Hause und Sönke bei mir hintendrauf 😊).

Ende gut, alles gut! Sönke und ich werden jetzt bis zum Lebensende wissen, wie Sicherung auf Englisch heißt. Aber das ist eine andere Geschichte!

Good Night,, sleep tight!

 

 

3 Kommentare

  1. Wie cool ist diese Geschichte und insbesondere der Tag 7 mit Dicki the wizzard!! Ich habe Tränen gelacht. Herrlich. Gute Fahrt weiterhin und ich freue mich sehr auf den Tag 8. Bleibt gesund!!

    • Hi Moni, danke für das Kompliment! Ob ich heute noch etwas schaffe? Mal schauen, die Etappe durch die Westfjorde ist der Hammer, allerdings auch hammerhart. Wir stehen gerade in Flokalundur an der Tankstelle… Fortsetzung folgt 🤟

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