Die letzte Landpartie …und Tschüss

Der letzte Sonntag im Oktober und damit die wirklich letzte Gelegenheit, in diesem Jahr noch ein bisschen zu fahren. Nachdem in der vorhergehenden Nacht das Sturmtief Herwart den Norden heimgesucht hatte, sah es zunächst nicht nach Motorradwetter aus. Deshalb ran an die Steuererklärung… bis kurz vor Mittag auf einmal die Sonne rauskam. Also kurz entschlossen umgezogen, Büsum als Ziel ins Navi eingetippt und los gings.

Wenig Verkehr und fast keine Motorräder sowie heftige Windböen und fast durchgängig Sonnenschein… ich liess mich richtig durchpusten. Da die Temperaturen bei weitem nicht mehr sommerlich waren, wurde es gegen Nachmittag auch richtig frisch.

Trotzdem hatte sich der Tag am Ende gelohnt, zu Hause gab es zum mitgebrachten Matjesbrötchen heißen Tee zum Aufwärmen und im Schein meiner MagLite wurde die Horzontjägerin dann für die Überwinterung herausgeputzt. Sie soll im Kreise der anderen Maschinen ja nicht unangenehm auffallen :-).

Morgen geht es dann ins Winterlager und im April sehen wir uns wieder 🙁

Fertig zur Überwinterung: „Hast Du auch die Zähne geputzt?“ 🙂


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Östlich von Lübeck

Nachdem Sebastian uns so richtig durchgepustet hatte, waren plötzlich ein paar Sonnentage in der Wetterapp (WetterOnline) angekündigt. Also die beste Gelegenheit, vor der Winterpause noch einmal auf die Strasse zu gehen. Nebenbei wollten die Horizontjägerin und ich uns endlich an den neuen Pfadfinder, das TomTom Rider 400, gewöhnen. Bereits im Juli hatte ich mich nach langem Hin und Her vom mittlerweile antiken Becker getrennt. Die Irrfahrt in Spanien nahm ich dem Ding immer noch übel!

Also hatte ich mir abends online eine kleine Tour an die Ostseeküste zusammengestellt, hinter Lübeck in Richtung Boltenhagen und dann immer weiter an der Küste entlang. Über Rostock und Schwerin wollte ich dann am späten Nachmittag wieder zuhause sein.

Über die Technik und Bedienung des Gerätes werde ich an anderer Stelle noch berichten, nur soviel: das Übertragen der mit TyreToTravel erstellten Route vom PC aufs Navi ging absolut ohne Probleme. Endlich entfiel das Konvertieren ins passende Dateiformat. Am Morgen wurde das Navi nur noch in die Halterung gesteckt und ich durfte noch die Art der Routenführung bestimmen.

Spannende Route? Na klar, warum nicht!

Und jetzt muss ich mich etwas zurückhalten und meine Begeisterung bremsen: bereits nach knapp 10 Kilometern wurde ich von der Kreisstrasse runter auf das Kopfsteinpflaster der Ringstrasse in Grabau geführt:

Begeistert vom Kopfsteinpflaster… natürlich nicht! Aber von nun an fuhr ich immer wieder auf Strassen und Wegen, die ich nie im Leben gesucht bzw. gefunden hätte. Natürlich ging es auch über bekannte Strecken. Dies ist, gerade an der Küste, mangels fehlender Alternativen manchmal gar nicht anders möglich. Trotzdem war es eine absolut spannende Tour, quasi durch die Hinterhöfe des Landes.

Der geringe Verkehr garantierte ein flüssiges und entspanntes Fahren. Und DER eine mit Traktor beladene Tieflader mit Überbreite… der hätte gerne mal rechts ranfahren dürfen! 7,5 Kilometer hinter so einem Monstrum mit Tempo 30… konnten mir diesen tollen Tag auch nicht vermiesen.

Was mich jedoch wirklich ärgerte, das waren diese Verkehrsschilder:

Das VZ255 (Verbot für Krafträder) scheint offenbar an der Ostsee erfunden zu sein? Oder gibt es dafür Zuschüsse? Wo auch immer ein schönes Fotomotiv lockte, stoppte mich dieses Schild. Wenn ich auch Verständnis dafür habe, das sich in den Sommermonaten die Badegäste von den aufgemotzten „Streetfightern“ belästigt fühlen könnten (Möglichkeitsform!), so sind diese Schilder in der Neben- und Nachsaison meiner Meinung nach überflüssig. Im Gegenteil! Die örtliche Gastronomie würde sich sicher über den einen oder die andere Bikerin als Gast freuen.  Das gilt besonders für die Insel Poel! Aber sei’s drum, Gaststätten und schöne Rastplätze gab es heute zur Genüge!

Angesichts dieser vielen neuen Strassen kam ich dann jedoch nicht bis Rostock, geschweige denn Schwerin.

In Bastorf gab es schließlich frischen Sprit, einen Becher Kaffee und dann brach ich die Tour ab. Das TomTom sollte mir jetzt den schnellsten Weg nach Hause zeigen und ab ging die wilde Fahrt.

Als ich schließlich nach rund acht Stunden und 333 Kilometern wieder auf den Hof rollte, hatten die Horizontjägerin und ich unseren neuen Pfadfinder voll ins Herz geschlossen. Denn unbefestigte Wege blieben uns heute erspart. Und Kopfsteinpflaster gilt nicht, das ist ja befestigt…


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Lazy Sunday Afternoon

Was für ein Jahr… es ist viel passiert, das Wasser stand uns zwar nicht bis zum Hals, bis zum Knöchel war aber auch zuviel (Freunde wissen, was gemeint ist). Und daher war ich mehr mit Handwerkern und Versicherungen in Kontakt, als mit meiner Horitzontjägerin. Die schien mich immer aus dem Carport anzugrinsen, so nach dem Motto „Was ist los Digga… willst Du nicht?“

Und wenn ich dann wollte, dann hatte die Batterie schlapp gemacht! Und das gleich zweimal in diesem Sommer!

Meine Ein-Stern-Bewertung der Batterie („DELO Mikrovlies Batterie inklusive Säurepack“) bei Louis kam von Herzen! Mittlerweile wurde dieses Produkt aus dem Sortiment genommen.

Der Wetterbericht hatte für heute dichte Bewölkung und zeitweise Regen vorhergesagt… so kann man sich irren! Also rauf auf die Maschine und raus auf die Landstrasse. Nach knapp 150 Kilometern wurde es mit der untergehenden Sonne dann doch langsam frisch und Zeit für die Rückkehr. Vorher war ich kreuz und quer durch den Segeberger Forst einem Heißluftballon bis kurz vor Neumünster gefolgt und habe dabei Straßen und Wege entdeckt bzw. befahren, in die ich vermutlich sonst nie eingebogen wäre. Eine völlig neue Art zu navigieren, ein bisschen wie Schnitzeljagd.


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1800 Kilometer bei 35 Grad…

Eine wirklich reißerische Überschrift. Und dabei waren wir nur auf einer Vatertagstour im Hunsrück. Ja, ihr habt richtig gelesen. Im Hunsrück erwischten wir für vier Tage eine unglaubliche Hitzewelle. Mein Thermometer von Louis quittierte auf der Rückreise nach Hause zeitweilig sogar den Dienst. Bei mehr als 50 Grad schaltet es ab. Ich gebe zu, dies geschah während einer Pause und die aufsteigende Motorwärme tat das Übrige dazu, trotzdem: es war schon sehr heiß an diesem langen Wochenende.

Ansonsten gab es wieder tolle Strassen zu entdecken und mein neuer Tankrucksack bestand seinen ersten Einsatz!


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Hunsrück und zurück

Endlich geht es wieder los… Die Horizontjägerin ist aufgetankt, gepackt und startklar. Das mir einen Tag vor dem Start die Batterie schlappmacht… geschenkt. Geiz ist halt nicht geil und wenn man sich für die Hausmarke von Louis entscheidet, dann muss man nach zwei Jahren offenbar eine neue Batterie kaufen. Die entsprechenden Rezensionen kann man ja auch vorher durchlesen.

Und wo geht es hin? Grobe Richtung Hunsrück und dort bis zum Sonntag die Landstrassen unsicher machen. Die Anfahrt wird ein wahrer Langschlag. Bis zur gebuchten Pension in Woppenroth sind 650 Kilometer. Sofern wir den kürzesten Weg wählen. Aber unser Guide wird sicherlich eine etwas abwechslungsreichere Strecke abseits der Autobahn wählen. Wir dürfen gespannt sein.

Morgen früh noch den Tankrucksack einklicken und dann ab auf die Bahn!


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Was ist schon ein Jahr…

„Wenn Du den lieben Gott zum Lachen bringen willst, mußt Du Pläne machen!“

Ja, ich liebe diesen Spruch! Denn da steckt so viel Wahrheit drin…

Geplant hatte ich vor einem Jahr, diese Seite so richtig aufzuhübschen. Dann ging einiges anders als geplant und manchmal hörte ich so ein leises Kichern…

Egal, wir haben 2017, die Horizontjägerin wurde gestern aus der Halle geholt und seit heute rollen die Räder wieder.

Mal schauen, was diese Saison bringt!


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Es werde Licht!

Hell, heller, Varadero

Hell, heller, Varadero

Meine Horizontjägerin verfügt ohne Zweifel über einen sehr ordentlichen Doppelscheinwerfer. Trotzdem habe ich auf dem Weg zum Nordkapp immer wieder die Reiseenduros beneidet, die mit ihrem „Tannenbaum“ (Hauptlicht plus Zusatzschweinwerfer auf den Sturzbügeln) sehr viel schneller zu erkennen waren. Grund genug also, das ich mich zur neuen Saison nach einer Lösung umsah. Mein Wahl fiel die GIVI S310 Projector Suppl.Alogeni Universal.

Diese Scheinwerfer gibt es bei verschiedenen Zubehörhändlern zu ebenso verschiedenen Preisen. Teilweise auch unter Angabe des jeweiligen Motorradtyps. Das ist fast alles Humbug! Wie der Name es schon sagt, es sind universelle Scheinwerfer und sie passen auf fast jeden Sturzbügel. Ich fand das günstigste Angebot bei Amazon auf dem dortigen Marketplace. Ein italienischer Händler bot sie für 110,00 € plus Versand (3,00 €) an. Der Versand sollte etwas länger dauern, tatsächlich klingelte bereits nach drei Tagen der Bote an der Tür.Zusatzscheinwerfer_02

Der Einbau stellte sich dann doch etwas aufwändiger dar. Die Stürzbügel der Varadero sind ab Werk nicht genau synchron, daher musste die beiden Schweinwerfer etwas versetzt angebaut werden. Entscheidend ist die Symmetrie der Lichtachse (in der beiliegenden Anleitung gut erläutert). Obwohl laut Anleitung auch ein Anschluss direkt an der Batterie möglich ist, ließ ich den Einbau bei meinem Honda-Händler fachgerecht vornehmen.

Zusatzscheinwerfer_03Eingeschaltet werden die Scheinwerfer über einen Kippschalter (die Wetterfestigkeit werde ich noch überprüfen…) und sind nicht mit dem Abblendlicht gekoppelt. Praktisch handelt es sich also um „Nebelscheinwerfer“, aus diesem Grund auch der tiefe Anbau. Durch diesen Anbau vergrößert sich jedoch auch die optische Fläche und damit (so hoffe ich) auch die Erkennbarkeit.

Autofahrer, die dieses „Flugzeug im Landeanflug“ übersehen, denen ist sowieso nicht zu helfen. Hoffentlich begegne ich denen nie!

Nach nur 1000 Kilometern fiel allerdings der erste der beiden Scheinwerfer aus. Okay, aufschrauben, Leuchtmittel tauschen, zuschrauben… So einfach ging das leider nicht. Denn das Anschlußkabel (aus dem Kabelbaum kommend) ist direkt und fest mit der 55W-H3-Birne verbunden. Eine ganz seltsame Konstruktion. Die jeweilige Steckverbindung am Kabel ist vor dem Gehäuse montiert, die dann in den jew. Scheinwerfer geht (und dann wiederum festverdrahtet auf die Birne ist).

Ich habe mir dann bei Amazon das Halogenlampen Paar – 12V-55W H3, für S310 Scheinwerfer (Bestellnummer: z2256) bei Givi bestellt. Diesem Set liegt bereits eine Verlängerung bei, die dazu dient, die Plus-Zapfstelle nach vorne zu verlegen und den Lampenwechsel zu erleichtern. Wirklich eine sehr unpraktische Lösung.

Die Verarbeitung der Schweinwerfer sowie der Halterung geben ansonsten keinen Grund zur Kritik, der harte und fest wirkende Kunststoff scheint sehr widerstandsfähig zu sein.

Aufgrund des Preis/Leistungsverhältnisses (wenn sie funktionieren) hätte ich bei Amazon wirklich gerne fünf Sterne gegeben, aufgrund des umständlichen Wechsels der Leuchtmittel und dem schnellen Ausfall (hoffentlich wird das keine Regel!) werde ich diese Bewertung garantiert aktualisieren!


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Endlich wieder auf dem Mopped…

Das erste April-Wochenende lockte mit grandiosem Wetter und scheinbar alle „Saisonkennzeichen“ waren am Start. Zum Saisonauftakt kam ich bereits ins Schwitzen. Das lag nicht nur am Wetter und dem Winterfutter in Jacke und Hose, nein: das lag auch an einigen wenigen anderen Motorradfahrern. Es gibt offenbar ein paar Zeitgenossen, die wollen mit PS (ich weiß, nicht mehr zeitgemäß, ich bin da wohl altmodisch…) und Lautstärke protzen und ballern über Landstrassen, schneiden Kurven und halten sich dann abends für die Größten. Wenn sie den Abend erleben. Es waren auch wieder einige Rettungsfahrzeuge unterwegs!

Und aus lauter Spaß am Fahren kam ich nicht zum Fotografieren… beim nächsten Mal wieder!

Knapp zwei Stunden, (fast) ohne
Wochenendverkehr


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Kalt, kälter, Conti!

Es war so kalt, wie es aussieht!

Es war so kalt, wie es aussieht!

Es war eine zeitlang das größte und vermutlich bestorganisierte Motorradtreffen Europas: das Contitreffen. Veranstalter waren der BVDM e.V. (Bundesverband der Motorradfahrer e.V.) und die Firma Continental. Unglücklicherweise erwischten wir im April 1985 nicht nur das finale zehnte und letzte Treffen, nein: wir erwischten auch noch das schlechteste Wetter. Schnee, Hagel, Regen und Eis… mehr ging nicht. Wir schliefen nachts in den Lederklamotten und wärmten uns tagsüber mit heißer Schokolade (mit Schuß!). Und schön war es doch 🙂


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Träume und die Wirklichkeit

Mehr Frankreich geht nicht, oder?

Mehr Frankreich geht nicht, oder?

Sommer 1980, ein brüllend heißer Tag und eigentlich wollten wir, vom Gardasee kommend, zum Atlantik. Da sollte es so eine riesige Düne geben… Aber dann tauchte auf den Straßenschildern „Saint Tropez“ auf. Luxus, Jet Set, Louis de Funes… alles das schoß mir durch den Kopf und so machten wir einen Abstecher in das ehemalige Fischerdorf.

Die Realität sah ernüchternd aus und nach knapp einer Stunde waren wir wieder unterwegs.


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Hinter der Ziellinie

Pause

Pause

So, das hätten wir geschafft. Die Überschrift hört sich ja irgendwie nach Wettrennen an, das war es aber definitiv nicht. 13745 Kilometer liegen hinter mir, dem Moped und dem Navi. Wenn man die freiwilligen und unfreiwilligen Fahrpausen abzieht, dann waren wir echte 25 Tage unterwegs. Das entspricht einem Schnitt von knapp 550 Kilometern pro Fahrtag. Eine Zahl, über die ich selbst etwas erstaunt bzw. sogar erschrocken bin. Weshalb so viele Kilometer? Nun, eine Ursache dafür war sicherlich die Tatsache, das ich alleine gefahren bin. Selbstgespräche kann ich auch während der Fahrt führen 🙂

Dann haben die wenigen Autobahntage natürlich den Schnitt enorm hochgetrieben und schließlich waren da die Schlechtwettertage. Ich bin offenbar eher der Typ, der dann einfach weiterfährt. Man hätte sich auch unterstellen können…

Was liegt jetzt noch an? Die Waschmaschine läuft auf Hochtouren, auch die Horizontjägerin bedarf der Pflege (putzen, Kette reinigen und neu fetten, vor dem Winter noch den Reifen wechseln usw. usw.). Danach werde ich die Beiträge noch einmal überarbeiten und ggf. mit Bildern und Videos der Helmkamera ergänzen. Da jedoch nur die Videos der Helmkamera bereits 95 Gigabyte umfassen, wird dies noch ein paar Tage dauern. Die Homepage bzw. die Domain werde ich mit Sicherheit weiternutzen, eventuell erfolgt ein kompletter Umbau. Ich habe ja noch ein paar andere Tourberichte. Man könnte ja…. Aber dazu später!

Ob ich so eine Tour noch einmal machen würde? IMMER! SOFORT!! Allerdings braucht man dafür Zeit und Geld. Ich habe bewußt nicht jede Tank- oder Unterkunftrechnung aufgeführt, aber dass so eine Tour nicht nur Zeit kostet, dürfte jedem klar sein. Doch es gibt ja noch so viel zu sehen. Island? Sizilien? Mal schauen!

Und zum Schluß: Danke für die vielen netten, aufmunternden, hilfreichen oder manchmal auch spöttischen Kommentare! Ich habe sie alle gelesen, wenngleich auch nicht immer beantwortet. Das Netz war häufig kaum mehr wie ein Klingeldraht. Mir hat das bloggen Spaß gemacht (eine völlig neue Erfahrung übrigens) und es half auch, einen ansonst vielleicht langweiligen Abend zu vermeiden. Und eines dürft ihr mir glauben: das alles, was ihr lesen konntet, ist kaum die Hälfte aller Erlebnisse.

Da gab es noch den Rentierhund, die Kübelwagentruppe, das irische Bikerpärchen, die englischen Enduro-Fahrer, die völlig mißlungene Mutprobe auf dem französichen Supermarktparkplatz, den freundlichen Holländer im Hotel, die Hardrockfreundin im Kassenhaus der Brücke „Ponte 25 de Abril“, den Russen mit seinem alten Moskwa(?), die beiden englischen Biker mit ihren nicht ganz so zuverlässigen Camping-Tipps usw. usw.

Aber wir sehen uns ja sicherlich noch…

 


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Tag 28 (05. September)

Frühstück hatte ich mir in dieser kleinen Herberge zu um 08:00 Uhr bestellt und zu diesem Zeitpunkt stand die Horizontjägerin bereits bepackt und startbereit vor der Tür. Weil ich mir zum Frühstück Kaffee mit Milch als „Café au lait“ und nicht als Kaffe mit Milch (wie auch immer das auf französich heißen mag?) bestellt hatte, wartete ich angesichts der Müsli-Schale einen kleinen Moment auf das Müsli. Bis ich dann begriff, woraus ich den Café au lait trinken sollte. Andere Länder, andere Tischsitten. C’est la vie!

Durch das Herz Frankreichs

Durch das Herz Frankreichs

Heute ging mein Plan, mit den gewählten Navi-Einstellungen ganz entspannt, abseits der Autobahnen über interessante und abwechslungsreiche Strecken mitten durch Frankreich nach Hause zu Bummeln, voll und ganz auf! Lediglich die Temperaturen waren bereits deutlich kühler. Gottseidank hatte ich bereits gestern Abend das Futter in die Hose geknöpft und auch die winddichte Neopren-Sturmhaube rausgesucht. Es sollte sich noch lohnen!

Eindrucksvolle Chateaus auf dem Land

Eindrucksvolle Chateaus auf dem Land

Entweder lag es an der Route oder es gibt in diesem Teil Frankreichs keine der gestern beschriebenen, ausgebauten Schnellstrassen. Sei es wie es ist, es wurde zum Abschied aus Frankreich eine richtig tolle Fahrt. Die langen, geraden Abschnitte wurden immer wieder durch die Wegführung des Navis auf kleinere Nebenstrassen durch kurvige Passagen unterbrochen. Ich rollte fast ausnahmslos durch kleinere Städte, sah in der Champagne Erntehelfer bei der Weinernte (Weinlese?), klönte mit Stephane (einem französichen Trucker, der mir mit seinem Truck gerade da die Aussicht versperrte, als ich ein nettes Fotomotiv gefunden hatte) und machte vor alten Chateaus Kaffeepausen, um schließlich gegen 14:00 Uhr Verdun zu erreichen.

Nahezu jeder Ort hat seine eigene Kirche, nicht alle so prunkvoll wie diese!

Nahezu jeder Ort hat seine eigene Kirche, nicht alle so prunkvoll wie diese!

Granattrichter, so weit das Auge blickt!

Granattrichter, so weit das Auge blickt!

100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg gilt Verdun heute als Mahnmal und dient vor der Welt als Zeichen der geglückten deutsch-französischen Aussöhnung. Obwohl es im ersten Weltkrieg Schlachten mit deutlich höheren Verlusten gab, wurden die monatelangen brutalen Kämpfe vor Verdun zum deutsch-französischen Symbol für die tragische Ergebnislosigkeit des Stellungskriegs. Ohne pathetisch werden zu wollen (denn ich bin nur eine Motorradtour vom nördlichsten zum südlichsten Festlandspunkt Europas gefahren): es erscheint mir heute, angesichts der vielen freundlichen und hilfsbereiten Menschen die ich in allen durchfahrenen Ländern angetroffen habe, fast unvorstellbar, das dieser friedliche Zustand nicht immer so war.

Das Mahnmal und Beinhaus von Douaumont.

Das Mahnmal und Beinhaus von Douaumont.

Ein bedrückender Anblick

Ein bedrückender Anblick

Aber auf den ehemaligen Schlachtfeldern rund um das Fort Douamont wurde mir der Irrsinn des Krieges erneut sehr deutlich und (be)greifbar. Wer Interesse an Geschichte hat, sollte sich dieses vergewaltigte Land einmal anschauen. Man erhält noch immer eine Ahnung, von den entfesselten Mächten, die dort getobt haben.

Nach dem Besuch des Fort Douaumont (mit Audio-Video-Guide, sehr beeindruckend!) programmierte ich das Navi neu, Ziel: Heimatadresse! Und schon schnarrte die Stimme: „Ankunftszeit ca. 22:45 Uhr“

Na, da geht doch was. Jetzt war es gerade 15:30 Uhr und bevor ich mir noch eine Unterkunft suchen müsste … Also fuhr ich mit diesen Navi-Grundeinstellungen bis direkt hinter die belgische Genze, wechselte dort die Routen-Optionen (schnellste Route, Autobahn erlauben) und ab ging die wilde Fahrt.

 

Und wild sollte sie wirklich werden. Kaum rollten wir in Belgien auf die Autobahn, brauten sich dunkle Wolken zusammen und die ersten Regentropfen fielen. Rauf auf den ersten Parkplatz, Regenzeug an, und weiter.

Wenige Kilometer später war die Autobahn plötzlich völlig vernebelt. Ab in die Bremsen und im nächsten Moment roch ich trotz des dichten Regens den typisch beißenden Brandgeruch. Sekunden später war ich durch den Nebel hindurch und links von der Autobahn sehe ich einen Großeinsatz der Feuerwehr, ein großes Gebäude, direkt neben der Autobahn, brannte in voller Ausdehnung. Von da an gab es bis Dortmund im 20 Minuten Wechsel immer wieder Regen und Sonne. In Nottuln nutzte ich gegen 20:00 Uhr im Restaurant „Zur goldenen Möwe“ die Gelegenheit, meine Rückkehr zuhause anzukündigen.

Und anschließend wurde ich zum U-Boot-Fahrer. Denn von da an ging es (gefühlt) im Dauerregen, der immer mehr zunahm, in Richtung Heimat. Wer als Biker schon mal eine Nachtfahrt bei einem solchen Wetter mitgemacht hat (oder mitmachen musste?), der kennt dieses Gefühl. Der Nacken wird langsam steif, durch die Regentropfen auf dem Visier siehst du nur die Wasserfahnen der vor die fahrenden Autos, dann die ersten Feuchtigkeitssignale unter (!) der Regenkleidung (vorzugsweise im Nacken, an den Handgelenken und im Schritt!) und du denkst nur noch eines: was mache ich hier?

Also, so ging es mir jedenfalls. Vielleicht gibt es ja auch Regen-Liebhaber? Hinzu kam, das das Profil meiner Reifen nach mehr als 13.000 Kilometern eine etwas eigenwillige Form angenommen hatte. Vielleicht nicht gerade ideal für eine Regenfahrt, daher verdoppelte ich bereits die Sicherheitsabstände zu den vorausfahrenden Fahrzeugen.

Und dann kam irgendwann die Abfahrt auf die A261, der Abzweiger zur A7 in Richtung Elbtunnel. Gesperrt? Baustelle? Seid ihr bescheuert? Ich war absolut nicht „amused“. Wenn mir dann noch als Alternative ein Umweg über das Autobahnkreuz Maschen angeboten wird… Also kurz überlegt und dann weiter in Richtung Lübeck. Dann fahren wir halt über die A1. Mittlerweile war es ca. 23:00 Uhr. Kurz vor Stillhorn der nächste Schreck. Blaulicht auf der gesamten Breite der Autobahn, Warnblinker begannen zu flackern und schnell stand ich am Ende eines Staus. Nach mehreren Minuten Schrittempo sah ich die Ursache: ein PKW lag völlig zusammengestaucht mitten auf der Fahrbahn. Hier hatte der Sicherheitsabstand offenbar nicht gereicht. Rettungswagen waren schon nicht mehr an der Unfallstelle, nur die Kollegen der Unfallaufnahme taten im strömenden Regen ihren Job.

Um 23:45 Uhr rollte ich dann endlich völlig durchgeforen in den Schutz unseres Carports und schaltete die Zündung ab.

Ende der Tour!

Ende der Tour!

 

 


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Tag 27 (04. September)

Ich habe keine Ahnung wo ich bin, und trotzdem geht es mir gut. Neben mir küssen sich Männer, die Wirtin würfelt mit einem Gast um die Wette und ich bin nicht in der Blue-Oyster-Bar. Ich stecke, 150 Km südlich von Paris, in einem winzigen Nest an der D951. Irgendwo zwischen Chateau-Roux und Bourges habe ich das Gasthaus „Les Amis de Diane“ gefunden. Es war wirklich mal wieder der letzte Rettungsanker.

Durch ein schier unendliches, okay: riesengroßes, Waldgebiet läuft diese Landstrasse und in den vereinzelten Ortschaften gibt es eben nicht immer einen Campingplatz. Den letzten, den ich fand, der war geschlossen. Allmählich wurde es dunkler und nach dem extrem langen Tag, wurde ich etwas ungeduldig. Wildes Campen ist in Frankreich nämlich strengstens untersagt. Und weshalb war es überhaupt ein langer Tag?

Der Reihe nach: Der Morgen klappte mal wieder perfekt, Kaffee lief nebenbei in die Thermoskanne, während das Zelt im neongelben Louis-Seesack verschwand. Zwei Kaffee, zwei Croissants mit Salami (das schmeckt wirklich!) und dann ging es los. Ich hatte geplant, ganz entspannt, abseits der Autobahnen und der Hauptstraßen mitten durch Frankreich nach Hause zu Bummeln. Deshalb hatte ich die Einstellungen im Navi wieder übernommen (Optimale Route, keine Autobahnen, keine unbefestigten Wege) und hoffte daher wieder auf interessante und abwechslungsreiche Strecken.

Ganz hinten sieht man die "richtige" Autobahn" (Bild eventuell vergrößern?)

Ganz hinten sieht man die „richtige“ Autobahn“ (Bild eventuell vergrößern?)

Das stellte sich ganz schnell als Irrtum heraus. Die Landstraßen, die mein Navi heute wählte, waren perfekt ausgebaute vierspurige Schnellstrassen (unter anderem die N10). In Deutschland nennt man das Autobahn! Autobahnen werden von meinem Navi in Frankreich offenbar nur als Autobahn anerkannt, wenn sie Gebühren kosten. Also schickte es mich um die Ballungszentren herum auf die Autobahn. So konnte ich im Stau (Stop-And-Go) auf der Umgehungsautobahn bei Bordeaux mein in Lissabon erworbenes Wissen anwenden. Und das machte Spass!! Die einzigen die diesen Spass störten, waren deutsche und niederländische Touristen. Alle anderen (Spanier, Portugiesen und natürlich Franzosen) machten freiwillig Platz! Das sollte man auch in Deutschland einführen. Eventuell mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung für Motorradfahrer? Mehrere Zweirad-Franzosen drängelten hinter mir, ich ließ sie vorbei, und dann knallten diese xxx (sucht euch ein Wort aus!) mit gefühlten 100Km/h durch die Lücken der Fahrzeugkolonnen. Es gibt da hoffentlich ein Video von meiner Helmkamera… wirklich unglaublich.

Zurück zum Thema. Nach dem ich diese Situation realisiert hatte (ausgebaute Strassen etc.), entschloss ich mich, dies auszunutzen und ganz einfach Kilometer zu machen. Einem englischen Motorradfahrer hatte ich gestern ja noch auf dem Campingplatz erklärt „I’m tired to sleep in a tent, it’s time to go home!“.

Und bei Licht betrachtet wird es auch langsam Zeit nach Hause zu kommen. Daher ließ ich die Abfahrt zum Cap Feret oder auch zum Bassin d’Arcachon rechts liegen (witziger Weise waren beide wegen Bauarbeiten gesperrt… ein Zeichen?) und ließ der Horizontjägerin die Zügel schiessen. Mittagessen ließen wir ausfallen und nur bei den Tankpausen vertrat ich mir kurz die Beine (rein ins Kassenhäuschen und wieder raus). Die Landschaften sahen auch nicht immer so fotogen aus, als das es sich zu fotografieren gelohnt hätte

Aber dann wurde es Zeit, einen Schlafplatz zu finden. Einsame, schnurgerade D951 und inmitten eines kleinen Ortes dann das Gasthaus. Weil ich jedoch seit knapp zwei Stunden meine ADAC-Karte nicht mehr gewendet hatte, hatte ich überhaupt keine Peilung mehr, wo ich mich befand. Die Orte, durch die ich fuhr, waren auf der Karte sowieso nicht verzeichnet.

Und um die Frage vom Beginn zu klären: die Männer im Schankraum begrüßen (!) sich alle mit Küsschen, daneben streiten sich Kinder, ein dreibeiniger Hund bellt jeden Neuankömmling an und nachdem ich mein Zimmer (in Rosa!!!) gesehen habe, fragt mich die Wirtin, ob ich essen möchte. Ich bejahe („un petit“ = soll „eine Kleinigkeit“ bedeuten) und sie bedeutet mir mit den Fingern „ab 19:00 Uhr!“ und ich werde auch gar nicht gefragt, was ich denn essen möchte!

Meine letzte Unterkunft in Frankreich?

Meine letzte Unterkunft in Frankreich?

Zum ersten Mal auf einem abgeschlossenen Parkplatz!

Zum ersten Mal auf einem abgeschlossenen Parkplatz!

Als ich mich kurz nach 19:00 Uhr in den Schankraum setze, beginnt mein 5-gängiges Menü mit Kous Kous, dann folgt ein Steak (medium) mit Pommes. Der Magen wird mit einer kleinen Käseplatte geschlossen, den Nachtisch bildet ein Obstkuchen mit Espresso und zum Abschluss folgt noch ein Glas Riesling (ich wollte keinen roten Wein), aus, wie ich verstanden habe, eigenem Anbau. Erst zum Schluß fällt mir meine verfügbare Bargeldsumme ein und ich frage nach Kartenzahlung. „Kein Problem, Monsieur!“. Das beruhigt ungemein. Gestern gab es ungefähr zur gleichen Zeit Ravioli aus der Dose. Es könnte mir also wirklich schlechter gehen.

Der einzige Wermutstropfen: es gibt hier kein akzeptables WLAN (ich soll mit dem Betreiber einen kostenpflichtigen Vertrag abschließen… Nein danke!) und die Datennetzverbindung ist völlig tot. Ich kann nicht einmal nach Hause telefonieren.

Also erfahrt ihr dies alles einen Tag später. Und morgen, wer weiß? Noch eine Nachtfahrt und damit die Übernachtung sparen? Aber jetzt sehe ich gerade auf der ADAC-Karte, direkt auf dem Weg liegt Verdun. Für die Nichteingeweihten: da war mal was vor 100 Jahren, einfach mal googeln :-). Das wäre vielleicht auch noch einmal interessant. Warten wir es ab!


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Tag 26 (03. September)

Meine Unterkunft in Acebo!

Meine Unterkunft in Acebo!

Irgendwo hinter Salamanca hatte ich um 10:30 Uhr die Faxen dicke. Wie sehr ich inzwischen fror, merkte ich erst, als ich den Beleg beim Tanken unterschreiben sollte. Wessen Unterschrift sollte das denn sein? Jetzt hatte ich schon ein paar Tage mit den hohen Temperaturen gekämpft und heut fror ich also wie ein Schneider.

Dabei hatte es morgens noch so gut ausgesehen! Auf den alten Marktplatz fielen gegen 08:00 Uhr die ersten Sonnenstrahlen, als ich den Anlasser drückte und wir die beschauliche Ruhe in diesem kleinen Ort störten.

Eine Spur der Verwüstung. Ein Wunder das kein Mensch zu Schaden kam!

Eine Spur der Verwüstung. Ein Wunder das kein Mensch zu Schaden kam!

Weil wir gestern auf der Suche nach der Unterkunft etwas vom Weg abkamen, führte uns das Navi über eine Nebenstrecke wieder zurück auf die Hauptstraße. Dazu mussten wir über enge und holprige Serpentinen durch das Zentrum des ehemaligen Waldbrands fahren. Durch die gerade hinter dem Berg auftauchende Sonne sah die Verwüstung noch schlimmer aus. Ein letzter Blick zurück, eine Kurve und wir standen in einer Wolkenwand. Von diesem Moment an sollte es fast vier Stunden dauern, bis ich die Sonne wieder sah, bzw. wieder fühlte. Zunächst war es ja richtig erfrischend, aber wie schon beschrieben: irgendwann war es auch mal gut.

An der besagten Tankstelle knöpfte ich das Futter wieder in die Jacke, suchte mir Sturmhaube und dicke Handschuhe raus und wollte dann noch kurz einen heißen Kaffee kaufen.

Der Kaffeeautomat war jedoch leider kaputt. Dann fiel mir meine Thermosflasche im Koffer wieder ein. Dort befand sich ja noch der Kaffee, den ich am Cabo da Roca aufgesetzt hatte. Und siehe da, der war noch trinkbar warm. Also definitiv wärmer, als dieses lauwarm, bei dem man das Gesicht verzieht.

Dort wo die Sonne scheint, liegt Frankreich!

Dort wo die Sonne scheint, liegt Frankreich!

Während ich mich an dem Becher festhielt und mich nochmal darüber freute, nicht an dieser Thermoskanne gespart zu haben, erinnerte ich mich, dass das Kaffeepulver noch aus Norwegen stammt, in Portugal aufgesetzt wurde und ich ihn jetzt in Spanien zum Aufwärmen brauchte… Zufälle gibt es!

Obwohl ich eigentlich die Landstraßen nutzen wollte, gab ich diesen Plan heute vorübergehend (?) auf. Schon lange vor Salamanca läuft die Landstraße parallel zur Autobahn. Landschaftlich ist das alles gleich langweilig, also rauf auf die Bahn. Und weil sich wirklich lange Zeit nichts änderte und ich endlich wieder in die Sonne wollte (wie schnell man seine Meinung ändern kann?), blieben wir bis Burgos auf der Bahn und schafften es auf diese Weise bis zum Abend 716 Kilometer zurückzulegen und das sonnige Frankreich zu erreichen. In Sauveterre-de-Béarn sind wir auf dem preiswertesten Platz bisher gelandet (8,60 € pro Nacht).

Es gibt so Momente, da wird einem klar, wie groß(artig) die Natur ist.

Es gibt so Momente, da wird einem klar, wie groß(artig) die Natur ist.

Vorher sahen wir jede Menge Pilger (ich glaube, wir haben den Jakobsweg gekreuzt! Ich werde das aber noch einmal genau überprüfen!), überquerten ein zweites Mal die Pyrenäen und lernten mit der N135 (zwischen Spanien und Frankreich) erneut eine Straße kennen, die muss man gefahren haben! Sobald ich zuhause bin, werde ich diese Straßen einmal zusammen mit Karten zusammenstellen. Wer weiß, vielleicht kommt ja einer von Euch dort irgendwann vorbei?

Und diese Strasse geht ewig so weiter... und nachher wieder bergab!

Und diese Strasse geht ewig so weiter… und nachher wieder bergab!


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Tag 25 (02. September)

Und wenn Du denkst, die Geschichte ist zu Ende, dann passieren Dinge…

IMG_3207Gestern Abend war ich also auf diesem sehr guten Campingplatz in Guincho (Camping Orbitur Guincho) gelandet, man konnte dort gut und preiswert essen; Waschräume, Duschen alles perfekt. Und ich habe wirklich noch lange überlegt, zu bleiben. Aber irgendwie… war dann um 09:00 Uhr das Zelt eingepackt und wir waren auf dem Weg zum letzten Kap, dem Sahnehäubchen sozusagen. Über enge Serpentinen schraubten wir uns den Berg hoch, dann rein in eine Nebenstraße und das Ganze noch einmal, jetzt aber bergab. Nach einem verschlafenen kleinen Ort wurde der Blick dann freigegeben auf den Leuchtturm und dahinter das Wahrzeichen… Cabo da Roca! Nächster Halt wäre dann Amerika!

Weshalb die beiden allerdings Sporen tragen... ob das mein Moped beeindrucken würde?

Weshalb die beiden allerdings Sporen tragen… ob das mein Moped beeindrucken würde?

Vor dem Wahrzeichen standen zwei Kollegen mit ihren Maschinen und liessen es sich gut gehen. Ich gab mich als Hamburger Kollege zu erkennen und ein gemeinsames Foto war dann Ehrensache. Und ich finde die Horizontjägerin macht doch eine gute Figur zwischen ihren uniformierten Schwestern 🙂 !

Wir kamen dann noch ins Gespräch, denn beide sprachen leidlich Englisch. Die beiden wohnen in Lissabon und arbeiten in der Küstenregion und ich erfuhr, wer in Lissabon Motorrad fährt, ist ein König. Hey, sprecht mich seit gestern mit Majestät an…

Zur Erklärung: die Motorradfahrer sind die einzigen, die dem täglichen Verkehrschaos entkommen. Auf meine Frage, dass das doch aber so nicht erlaubt sei, wie ich es gestern erlebt hatte, meinten beide lakonisch „So lange nichts passiert…“.

Der Dienst hier an der Küste („Traffic-Observation“) scheint jedoch nicht sooo stressig zu sein. Ich erzählte Ihnen, dass auch ich vor Urzeiten mit dem Krad auf Streife unterwegs war. Als ich Ihnen dann jedoch die Größe und die Lage meines ehemaligen Reviers schilderte… Ich glaube die beiden grinsen immer noch!

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Ich schoss noch ein paar Fotos (unter anderem auch von den beiden Polizisten, jetzt mit einer hübschen Japanerin), wünschte Ihnen noch einen schönen Dienst und machte mich auf den Weg. Noch ein Stück die Küste runter und dann: „Rücksturz zur Erde“ (falls jemand noch „Raumpatrouille“ kennt?).

Moped: "Na, bist Du auch eine Enduro..?" Biker: "Sólo cállate!"

Moped: „Na, bist Du auch eine Enduro..?“
Biker: „Sólo cállate!“

Während die Temperaturen in Portugal noch bei freundlichen 24 Grad lagen, waren es an der Grenze zu Spanien bereits 33 Grad. Weil ich das geahnt hatte, wollte ich auf geradem Weg nach Salamanca einen Campingplatz in einer stark bewaldeten Gegen aussuchen (Schatten… versteeehste?).

Aus der Distanz sieht es noch nicht sooo schlimm aus...

Aus der Distanz sieht es noch nicht sooo schlimm aus…

Als ich in der Sierra de Gata so gegen 18:00 Uhr eintraf, ließ mich der Brandgeruch schon Böses ahnen! Hinter der nächsten Kurve sah ich es dann. Hier war vor wenigen Tagen offenbar ein mächtiges Feuer durchgezogen, an Camping war gar nicht zu denken. Daher die übliche Unterkunft-Suche. Erst Augen auf… dann Navi gefragt. Und damit begann die Krönung des Tages. Mitten in der Sierra de Gata lenkte mich das Crocodile in den kleinen Ort Acebo. Rein in die engsten Gassen. Die alten Frauen, die in den Eingängen saßen und sich unterhielten, mussten mich für ein UFO gehalten haben.

aber aus der Nähe?

aber aus der Nähe?

Dann stehe ich plötzlich auf dem Markt vor der Kirche. Ein gutes Dutzend älterer Spanier sitzen vor einer Bar und ich merke, wie alle Gespräche verstummen. Mein Navi plärrt „Sie haben ihr Ziel erreicht!“

Ein optischer Eindruck von der Plaza Mayor in Acebo


Quatsch, hier ist kein Hotel… Ich mache den Motor aus und rolle mit dem letzten Schwung vor die Bar. Ein freundliches „Hola!“ gefolgt von einem fragenden „Hotel?“ führt zunächst zu keiner Reaktion. Dann antwortet einer der Herren, allerdings auf Spanisch.

Na klar, wie auch sonst. Schnell werden wir uns einig: ich kein Spanisch, er ein klein wenig Englisch, aber Manuel (wie sich später herausstellt, der Wirt der Pizzeria gegenüber der Bar) der kann deutsch!!

Wir dolmetschen hin und her, eine halbe Stunde später gibt mir der Spanier ein Bier aus und vermietet mir seine Ferienwohnung („Las Martas“, in einem historischen Altbau direkt am Markt) für 25,-€.

Drei Zimmer mit Bad, komplett ausgestattet und mit Klimaanlage.

Von Manuel erfahre ich später noch, dass das Feuer vor knapp zwei Wochen gewütet hat. Menschen seien nicht zu Schaden gekommen und die kleinen Städte konnten auch geschützt werden. Nur der Wald wurde vernichtet.

Im Herzen von Acebo

Im Herzen von Acebo

Jetzt sitze ich direkt auf dem Markt, die Horizontjägerin steht im Schutz der alten Kirche, am Nebentisch spielen die zwölf alten Herren lautstark ein Kartenspiel (es geht um Geld), Kinder lärmen, Hunde bellen, alte Frauen unterhalten sich von Balkon zu Balkon… und das Leben ist herrlich.

Jemand anderer Meinung? Kann doch gar nicht sein, oder?

Und morgen? Vielleicht bis Pamplona!

 


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Tag 24 (01. September)

IMG_3155Was war das gestern für ein Tag! Nach dem Blog konnte ich noch nicht einschlafen und ging noch einmal runter zum Strand (bei der Gelegenheit: ich war nicht im Mittelmeer, es war der Atlantik!!).

Dort saß ich noch ein paar Momente, schaute rüber nach Afrika und in diesem Moment (Achtung: Kalauer!) wurde mir klar, weshalb dies der „dunkle Kontinent“ genannt wird…

IMG_3159Aber im Ernst: da sitze ich fast an der Stelle, wo damals die Truppen unter Führung des Sultans Tarif nach Europa einfielen und ich bekomme eine Ahnung von der Panik, die diese fremden Heere auslösten. Das unbekannte Land zum Greifen nahe und doch so fremd…

Ich habe dann noch ein bisschen mit der Kamera herumgespielt, das Ergebnis seht ihr hier!

Die Überlegung, hier noch ein bisschen zu bleiben, hatte sich jedoch in der Nacht erledigt. Es gibt so ein paar Sachen, die ich nicht leiden kann: im Dunkeln auf dem Klo sitzen, Duschen ohne warm Wasser, Toiletten ohne Klopapier, Badestrand ohne Wasser und noch so ein paar ähnliche Punkte.

IMG_3182Also schlief ich gründlich aus, frühstückte in aller Ruhe und ging ein letztes Mal zum Strand (das Wasser war immer noch weg…) und konnte jetzt die afrikanische Küste viel deutlicher sehen.

Dann ging es auf die Bahn, ich machte es mir bequem und ließ der Horizontjägerin die Zügel los. Es wurde ein wirklich langer Ritt. Nach knapp 650 Kilometern waren wir kurz vor dem Cabo da Roca angekommen (sozusagen in Sichtweite…), hatten den Feierabendverkehr in Lissabon überlebt (wer das noch nicht gesehen hat, der hat noch keinen Feierabendverkehr erlebt. Ehrlich!!!) und die Überquerung der Ponte 25 de April in Lissabon. Ein wirklich einmaliges Erlebnis!

Lisbon_Bridge

Den spannendsten Moment bereiteten mir jedoch portugiesische Strassenbauarbeiten am offenen Herzen. Das sah wie folgt aus:

Er herrscht sengende Hitze auf einer mehrere Kilometer langen schnurgeraden Straße. Weil wir ja ein Ziel haben, werden die 10% (Erklärung unnötig?) etwas großzügig ausgelegt. Knapp 120 Km/H haben wir also auf der Uhr, als ich in weiter Ferne einen kleinen Bus (VW-Bus?) auf der anderen Straßenseite geparkt im Schatten der Bäume sehe. Davor bewegen sich zwei Warnwesten (spanische und portugiesische Polizisten tragen dieses Neongelb, genauso wie die Norweger übrigens!). Plötzlich rennt einer der beiden auf meine Strassenseite und kniet sich hin! „Legen diese Idioten jetzt Nagelgurte!!“ schießt es mir blödsinnigerweise durch den Kopf und ich bremse radikal. Jetzt rennt die Warnweste wieder zurück und kniet sich bei der anderen Warnweste hin. Im Vorbeirollen sehe ich zwei Strassenbauarbeiter, die mit einer Gießkanne flüssiges Teer (?) in die Risse der Fahrbahn gießen. Weit und breit keine Absicherung, keine Warndreiecke oder Hinweisschilder. Ich denke noch kurz darüber nach, ob es zu solchen Unfällen eine Statistik gibt und gebe dann wieder Gas (jetzt allerdings ein klein wenig dezenter 🙂 )

Kurze Pause im Schatten, sehr viel mehr Bilder gab es heute nicht!

Kurze Pause im Schatten, sehr viel mehr Bilder gab es heute nicht!

Ach ja, und dieser Kollege hatte es sich kur überlegt als Anhalter mitzufahren. Dann war er aber plötzlich weg!

Ach ja, und dieser Kollege hatte es sich kurz überlegt, als Anhalter mitzufahren. Dann war er aber plötzlich weg!

Am Atlantik ändert sich das Wetter schlagartig, der Wind bläst stark und frisch, die Temperatur fällt auf 22 Grad (nicht das ich mich beschweren würde, der rapide Fall ist aber schon gewöhnungsbedürftig!). Die Gegend um das Cabo da Roca ist auf den ersten Blick total spannend, Städte mit alten Häusern, urige Küstenlandschaften und… hilfsbereite Portugiesen.

Kurz vor der Küste gebe ich nämlich als Suche „nächster Campingplatz“ in das Navi ein und folge diesem bereitwillig in ein altes kleines Städtchen. Dort bleibe ich vor einem umzäunten Grundstück stehen, lediglich ein verrosteter VW Golf steht dort herum. Campingplatz? Fehlanzeige! Ich wende und will gerade losfahren, da winkt mir ein Arbeiter im Blaumann zu. Natürlich auch kein Englisch und mein portugiesisch?

Schließlich höre ich heraus, das vor kurzem schon mal ein Motorradfahrer aus Norwegen vor diesem Zaun stand (das muss der andere Käufer von dem Becker Crocodile sein…!).

Der freundlich Portugiese tippt für mich die Adresse eines anderen Campingplatzes in das Navi ein und wir beide (Navi und ich!) schließen wieder Frieden.

Ein toller Platz, fast direkt am Atlantik, mit absolut toller Ausstattung. Vielleicht bleibe ich noch einen Tag?

Aber Klopapier muss man auch hier selber mitbringen.

Diese Portugiesen!

Und nach Hause sind es (lt. Google Maps) noch 2715 Kilometer.

 


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Tag 23 (31. August)

Am Ziel!

Am Ziel!

Das war es also… Es ist gerade 16:00 Uhr und ich schaue rüber zur Punta Marroquí. Dort trifft sich Mittelmeer und Atlantik. Und dort ist die südlichste Grenze von Spanien und Europa und auch die schmalste Stelle der Strasse von Gibraltar.

Aber ich werde dort nicht hingehen, richtig: HINGEHEN!

Irgendwo dahinten ist der wirklich wirklich südlichste Punkt... ohne mich, sorry!

Irgendwo dahinten ist der wirklich, wirklich südlichste Punkt… ohne mich, sorry!

Die Zufahrt dorthin, ein vielleicht 400m langer Damm, ist nur für Fußgänger freigegeben. Danach kann man/frau noch über die kleine Insel lustwandeln und dann ist das tatsächliche Südkap erreicht. Vor diesem Damm liegen rechts und links belebte Badestrände mit den üblichen Bars, Imbissbuden, Surfschulen etc.

Eigentlich wie an allen Badestränden der Welt. Und wie an allen Badestränden der Welt werde ich mein Motorrad mit allen Wertsachen nicht unbewacht stehen lassen. Der Tankrucksack mit den Kameras? Ein Handgriff und der ist weg. Navi? Auch wenn ich oft darüber geflucht habe, ohne geht gar nicht. Und bei 33 Grad in voller Montur dort rübergehen, Tankrucksack auf dem Rücken, Helm in der Hand? Nein, ich mag einfach nicht…

Einmal Tanger und zurück?

Einmal Tanger und zurück?

So sitze ich eine knappe halbe Stunde am Anfang dieses Dammes, schaue auf den Hafen zur Statue hinüber (witzigerweise wird diese Statue bei Wikipedia als Illustration für den südlichsten Punkt benutzt… man soll halt nicht alles glauben!), trinke mein Wasser und sehe in dieser Zeit zwei derSchnellfähren nach Tanger ein- und auslaufen.

Ich gebe zu, ich hatte ganz kurz mit dem Gedanken gespielt… einmal hin- und zurück und ich wäre mit der Maschine in Afrika gewesen. Eine echte Poser-Nummer, ich lasse es.

Und jetzt? Nach Obama-Manier die Faust in die Höhe reissen, „Yes, i can!“ schreien? Die Augen der Touris möchte ich sehen. Ich bin wirklich für einen langen Moment völlig leer.

Aus einer Bierlaune wurde ein Spruch, aus dem Spruch entstand eine Idee, aus der Idee wurde ein Plan. Erstaunlicherweise fand dieser Plan Zustimmung, Unterstützung und auf einmal rollten wir los in Richtung Kolding… und jetzt sitze ich hier.

Von den mittlerweile mehr als 10.000 Kilometern waren die letzten heute ein echter Klax! Gestern beim Einschlafen fiel der Entschluss, auf weitere Sightseeing-Besuche zu verzichten und straight nach Tarifa zu steuern.

Am Morgen hatte sich an dieser Idee nichts geändert, also schnell packen und um 08:30 Uhr hatte ich ausgecheckt und stand vor McDonalds… wegen dem Frühstück. Aber in diesem Teil der Welt öffnen McDonalds-Restaurants erst um neun Uhr.

Dann sehe ich das „La Abuela“ bereits geöffnet. Ein kleines Strassenrestaurant, in dem sich Handwerker und Sekretärinnen (die drei Damen sahen halt danach aus…) zum Frühstück treffen. Wenn ich schon in Spanien bin? Ich setze mich an einen freien Tisch, die Gruppe von Handwerkern stutzt kurz um dann typisch(?) südländisch die Fußballergebnisse vom Wochenende zu diskutieren (ich verstehe „Neymar“, „Barca“ und ähnliches).

Das schmeckt wirklich! Genial!!

Das schmeckt wirklich!
Genial!!

Die Bedienung grinst, als ich „Dostallas Tomato et Kaffee“ bestelle, fragt einmal nach, ich nicke (keine Ahnung was sie will!) und drei Minuten später steht ein frisch getoastetes Baguette, Tomatenpürree, Olivenöl, Salz und leckerer Kaffee vor mir. Geht doch!! Gleich noch einen Kaffee nachbestellt und der Tag ist mein Freund. Die Rechnung ist ein Witz: 3,00 € für dieses göttliche Frühstück

Dann geht es, wie programmiert, über nahezu völlig leere Nebenstraßen immer in Richtung Tarifa (heimlich schaue ich jedoch ständig auf die ADAC-Karte, das Navi legt uns nicht wieder rein!).

 

Hier macht das Motorradfahren echt Spaß!

Hier macht das Motorradfahren echt Spaß!

 

Auf jedem Hügel eine Burg oder Kirche. Und drumherum die Stadt!

Auf jedem Hügel eine Burg oder Kirche. Und drumherum die Stadt!

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Verlockend: etwas Schatten, ein kaltes Getränk und ein warmes Essen!

Mittagpause mache ich in einem kleinen Ort, ein kleines Restaurant lockt mit einer schattigen Veranda. Mutig frage ich nach der Karte (natürlich spricht niemand Englisch oder Deutsch). Auf die Frage der Bedienung, die irgendwie das Wort „Menü“ enthält, schüttele ich entschieden den Kopf. Also Tappas? Ich nicke und sie beginnt aufzuzählen. Plötzlich höre ich etwas wie „carne de cerdo“. „Cerdo“ ist doch Schwein? Ich wiederhole nickend „Cerdo, si“ und bekomme fünf Minuten später eine kleine Schüssel mit einer Art Gulasch, sehr lecker. Dazu noch zwei Dosen Cola (das geht in jeder Sprache!!!), alles zusammen für 3,50 €! Heute klappt alles.

Es ist schon gut, wenn man Fremdsprachen beherrscht...

Es ist schon gut, wenn man Fremdsprachen beherrscht…

Und dann bin ich plötzlich in Tarifa, quasi das Ziel dieser Kap2Kap-Fahrt. Das Wetter ist okay, zwar sehr warm (locker über 30 Grad), aber der Seewind erfrischt dann doch. Ich mache noch ein paar Bilder und schließlich drehe ich um, fahre den Weg ein paar Kilometer zurück und finde einen wirklich tollen Campingplatz (Camping Tarifa) mit eigenem Zugang zum kilometerlangen Sandstrand und alle Plätze unter schattigen Bäumen. Erinnerungen an das Cap Feret anno 1982 kommen auf.

Home Sweet Home

Home Sweet Home

Kaum steht das Zelt und hängen die Motorradklamotten zum Trocknen, liege ich bereits im Mittelmeer. Jetzt geht es mir wieder saugut! Danach duschen, Wäsche waschen und endlich das Chili Con Carne (die Dose hatte ich bereits in Frankreich gekauft) zubereiten. Vorher hole ich mir noch im Supermarkt eine Flasche Bier (1l für zwei Euro, aber maximal 2,5 Promille!). Beides zusammen beruhigt die Nerven, anschließend gibt es noch eine Reihe lieber Nachrichten von zuhause (es lebe WhatsApp, soll die NSA doch mitlesen!)

Jetzt sitze ich um Billardraum der Bar (freies WLAN) und tackere den Blog zusammen. Und Morgen?

Bleiben (nur einen Tag…) oder weiterfahren, das ist hier die Frage?

 

 


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Tag 22 (30. August)

IMG_20150830_204840Es ist 20:30 Uhr, ich sitze im mitten in einem Gewerbegebiet in Andújar im Restaurant „La Abuela“ und so allmählich kehren die Lebensgeister zurück. Im Fernsehen laufen Bilder vom Motorrad-GP in Silverstone. Obwohl es ein Regenrennen ist, haben die Jungs es gut. „Fahren immer nur im Kreis und brauchen kein Navi!“ denke ich. Und damit ist der Tag eigentlich beschrieben, oder vielleicht doch nicht ganz.

In dem wirklich guten und preiswerten Hostal von gestern, war das Frühstück etwas gewöhnungsbedürftig. Getoastetes Brot mit Tomate plus Kaffe (der war perfekt!). Da die anderen Gäste aber alle das Gleiche erhielten, probierte ich es erst einmal und man konnte es essen.

Eine tolle Strasse

Eine tolle Strasse

Danach Motorrad beladen und ab ging die Post. Von Teruel machte ich mich über die N330 auf den Weg nach Süden und das Crocodile wollte wohl zunächst etwas gut machen. Eine richtig tolle Straße. In einem Tal mit rotem Felsgestein schlängelte sich die schmale Straße immer entlang eines Flusses und die Bäume spendeten lange Zeit Schatten. Perfekt!

Ein Panorama wie im Wilden Westen

Ein Panorama wie im Wilden Westen

Später änderte sich der Charakter der N330, sie mutierte zu einer ausgebauten Schnellstraße mit erlaubtem Tempo 100 (plus 10 Prozent natürlich!). Aber auch dort gab es tolle Aussichten und lang gezogene Kurven, die richtig Spaß machten.

Dann ging es ab Utiel auf die N322, an deren Ende mein heutiges Ziel liegen sollte. Bailén liegt sozusagen am Schnittpunkt: den schnellsten Weg in Richtung Tarifa oder doch einen Abstecher über Granada und Malaga?

Es sieht nicht nur heiß aus!

Es sieht nicht nur heiß aus!

Bis dahin verlangte mir die N322 aber noch jede Menge ab. Seit Albacete, wo ich am frühen Nachmittag eintraf, begann die Temperatur unaufhörlich zu steigen. Als Spitzenwert zeigte das Thermometer im Cockpit trotz Fahrtwind über 44 Grad an.

Heiß...

Heiß…

Die Straße wechselte mehrmals zwischen sterbenslangweilig (kilometerlang schnurgeradeaus) und abwechslungsreich (weite Kurven durch schattige Täler).

Ich rühr das Zeug sonst nicht an, aber heute geht es nicht anders!

Ich rühr das Zeug sonst nicht an, aber heute geht es nicht anders!

Mittlerweile war ich zum 100-Km-Tanken gewechselt. Ich brauchte alle 100 Km eine eisgekühlte Dose Cola, Selters oder Energy-Drink. Die Honda bekam natürlich auch etwas ab…

Moped: "Und ich bin doch eine Enduro!" Navi: "Sólo espera, que ríe último ..."

Moped: „Und ich bin doch eine Enduro!“
Navi: „Sólo espera, que ríe último …“

In Alcaraz bestiegen wir gemeinsam eine Burg, offenbar nahm das Navi den Gefühlsausbruch der Horizontjägerin jedoch übel!

Dort auf der ehemaligen Festungsmauer, hoch über der Landschaft, war zumindest ein laues Lüftchen zu spüren!

 

Von Süden her näherte sich zwischenzeitlich ein heftiges Gewitter, dem wir jedoch knapp entkamen.

Knapp daneben, gottseidank!

Knapp daneben, gottseidank!

Und dann kamen wir um 17:30 Uhr in Bailén an. Ich hatte überhaupt keine Lust mehr weiterzufahren, das Wasser stand sprichwörtlich in den Stiefeln und wir fanden auch sofort ein günstiges Hostel. An der Rezeption wurde ich jedoch mit „Complete“ empfangen, ebenso im gegenüberliegenden Hotel.

Also Navi, wie sieht es aus? Campingplatz? In 45 Kilometern?! Nein danke! Also Hotel/Hostal,  weit weg von der Autobahn (dort ist es meist günstiger). Sieh da, ein Hotel in knapp 20 Kilometern bei Andújar?. Das kriegen wir hin!

Und jetzt eine kleine Anmerkung: gestern hatte mich das Navi ja richtig in die Wüste geschickt. Daher überprüfte ich beim Start nochmals die Touren-Optionen. Und siehe da: unbefestigte Strassen konnte man auch „disabeln“, also vermeiden! Also galt für heute: optimale Route, ohne Autobahn, ohne unbefestigte Strassen.

Aber offenbar hatte das Navi mit der Horizontjägerin noch eine Rechnung offen.

Seht ihr die Straße links am Stausee? Hinter der Kurve fing das "Abenteuer" an!

Seht ihr die Straße links am Stausee? Hinter der Kurve fing das „Abenteuer“ an!

Zunächst ging es flott heraus aus Bailén, in Richtung Westen. Dann führte der Weg über befestigte Strassen in die Weinberge. Okay, das Navi kennt den Weg. Es ging rauf und runter, links und rechts, aber eigentlich hatte ich gar keine Lust mehr. Dann kamen wir an einen Stausee und ich war von dem Panorama begeistert. Es ging über die Staumauer, den Berg steil rauf und hinter der Linkskurve… standen wir in einem Schlauch. Sprich: die Strasse war maximal zwei Meter breit und… unbefestigt!

An Wenden war gar nicht zu denken. Also weiter, unbefestigte Strassen dürfen ja gar nicht kommen, dies ist ja nur ein kurzes Stück… vielleicht ein Erdrutsch oder so? Und weil ich an diesem Gedanken knapp 20 Minuten festhielt, fuhr ich weiter.

Ich hatte längst den Zeitpunkt für das Umdrehen verpasst, aus der unbefestigten Strasse wurde eine richtige Geröllpiste. Große Steine wechselten sich mit tiefem Sand ab. Das Navi erzählte mir dabei immer wieder „Jetzt links abbiegen“ oder „In drei Kilometern geradeaus!“. Aber hier gab es nichts! Keine Abzweigung, keine Kreuzung. Der Strassenverlauf wurde jedoch sauber mit allen Kurven angezeigt!! Wenn ich den erwische, der diese Karte eingelesen und klassifiziert hat!!!

Irgendwann hatte ich die Helmkamera eingeschaltet und laufen lassen. Wer diesen Film jemals sehen wird… Die Flüche und Schreie („Hier kann man nicht abbiegen, Du blödes Ding!!!“), das bin immer ich 🙂

Sind das Hirsche oder sind das Hirsche?

Sind das Hirsche oder sind das Hirsche?

Im nächsten Augenblick stand ich plötzlich vor einem richtigen Rudel Hirsche. Ja genau, die mit dem Geweih! So allmählich bekam die Situation etwas Unwirkliches. In der nächsten halben Stunde sah ich mindestens dreißig bis vierzig (wie sagt man?) Stück (?) Rotwild. Rehe, Rehkitze und Hirsche (ja, genau, noch immer mit Geweih!). Dumm nur, dass ich alle Hände für die Maschine brauchte, so entstand nur ein Foto. „Wenn ich mich hier jetzt hinpacke…“ wurde für fast eine Stunde zu meinem Mantra.

Klitschnass (wörtlich!) bog ich dann irgendwann um einen Kurve und stand vor einem Landrover. Daneben fünf „Daktaris“ mit Ferngläsern! Auf meine Frage, ob jemand Englisch könne, nickten alle wie selbstverständlich und so erfuhr ich, dass meine Qual in knapp vier Kilometern beendet sei!

Und dann fragte mich der „Anführer“ (er sah besonders nach „Daktari“ aus!), ob ich denn „stags“ gesehen hätte. Dabei machte er mit den Fingern ein Geweih nach. Ich antwortete „Yes, indeed, i saw many oft them, i can’t count them“ und zeigte auf den Weg hinter mir. Der Chef-Daktari grinste, meinte zu den anderen, der Motorradfahrer hätte sicher nur „deers“ gesehen und wünschte mir noch einen sicheren Weg. Und ich solle langsam fahren…

Hier die offizielle Einfahrt, hinter mir lagen also mehr als 14 Kilometer Geländeprüfung!

Hier die offizielle Einfahrt, hinter mir lagen also mehr als 14 Kilometer Geländeprüfung!

Also okay, mein Englisch ist nicht perfekt. Rehe von Hirschen kann ich jedoch schon unterscheiden. Aber wer nicht will, der hat wohl keine Lust auf diese Geröllpiste. Und das kann ich wiederum gut verstehen.

Irgendwann endete dieser Irrfahrt und dort sah ich es dann: ich war durch einen Nationalpark gefahren. Aber offenbar hatte ich einen unbeschilderten Hintereingang benutzt.

ich bin absolut erledigt...

ich bin absolut erledigt…

Wir kamen dann auch zu dem Hotel, es handelte sich um eine Luxus-Appartement-Anlage (Los Pinos) am Rande dieses Nationalparks (mit täglichen Landrover-Führungen…). Das war nicht unsere Preisklasse. Also ab zum nächsten Ort und dort habe ich dann völlig ausgetrocknet und durchgeschwitzt vor dem 3-Sterne-Hotel „Del Val“ angehalten. Ein Zimmer, eine Nacht, kein Frühstück.

Gegenüber hatte ich schon McDonalds (Frühstück!) gesehen. Und das Restaurant „La Abuela“, in dem ich jetzt sitze. Eine große Portion Calamares mit Salat, Brot, Oliven und „Gruß aus der Küche“ für fünf Euro lassen den Schreck über die Hotelrechnung wieder etwas vergessen. Es ist aber immer noch billiger als das IBIS-Budget in Carcassonne.

Und jetzt haue ich mich gleich hin und dann werde ich morgen entscheiden, wie es weitergeht!

Der Weg der „Leiden“

Nachtrag: Ich habe die Karte zuhause mit schnellem Internet nachgetragen. Wer also eine richtige Enduro besitzt (oder Geländewagen?) und zufällig hier einmal vorbeikommt, der sollte sich den Bereich zwischen den Wegpunkten JV-5041 und JH-5002 (Karte aufzoomen!) auf keinen Fall entgehen lassen! Nur bitte nicht vergessen: dies ist ein Naturpark mit wirklich großem Wildbestand. Kein Geländeparcour für Wettrennen! Ein entsprechendes Fahrverhalten sollte selbstverständlich sein.
Viel Spaß!


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Tag 21 (29. August)

Ein absoluter Tag der Extreme: ich war heute zwischen absolut euphorisch und… das kann und will ich nicht ausschreiben.

Nette Nachbarn mit defekter Kamera!

Nette Nachbarn mit defekter Kamera!

Ich will aber die Reihenfolge einhalten. Der Tag begann grau und windig, ideal zum Abbau und Umziehen. Nebenbei half ich noch diesen beiden netten Franzosen, ein Erinnerungsfoto zu schiessen. Die beiden Brüder waren mit dem Fahrrad vom Atlantik nach Sete unterwegs und hatten sich extra eine ordentliche Canon-Systemkamera gekauft. Überflüssig zu erwähnen, welches Teil kaputt ging? So fragten die beiden mich, ob ich ihre Karte einmal in meine Kamera stecken könnte, für 1-2-3 Erinnerungsfotos. Na klar, kein Problem!

Gibt es einen besseren Platz für das Frühstück!

Gibt es einen besseren Platz für das Frühstück!

Weil ich dem grauen Wetter trotz Sönkes Prophezeiung nicht traute, kaufte ich mir noch schnell Croissants und Rosinenschnecken beim Bäcker und machte mich auf den Weg nach Andorra. Irgendwann würde ich sicherlich ein schönes, sonniges Plätzchen zum Frühstück finden, den Kaffee hatte ich ja in meiner Thermoskanne (der Kaffee läuft mittlerweile perfekt neben dem Zeltabbau, dass passt perfekt!).

Vom Rest dieser tollen Strasse gibt es nur Videos... die kommen vielleicht später?

Vom Rest dieser tollen Strasse gibt es nur Videos… die kommen vielleicht später?

Beim Aufstieg in die Pyrenäen gelang mir das mit einer Punktlandung. Direkt danach begann eine Strasse, die jeder, aber auch wirklich jeder Motorradfahrer einmal gefahren sein sollte (ja, ich weiß, etwas ähnliches habe ich auch schon in Norwegen gefaselt… dann gibt es eben zwei! Basta!). Es ging rauf, runter, rechts, links usw. usw.

Dabei kaum Verkehr, keine Wohnmobile, keine LKW, vielleicht lag es auch an der Jahreszeit? Egal, es war ein Traum. Und dieser Traum dauerte fast 2 Stunden!

Ab Ax-les-Thermes war ich dann wieder auf der Urlaubs-Rennstrecke und wesentlich mehr Verkehr rollte in Richtung Andorra. Insbesondere unsere Kurvenjägerfreunde sorgten dabei ordentlich für Action. Ehrlich, solche Motorradfahrer gehören auf abgesperrte Strecken!

Dann ging es auf ausgebauten Serpentinen über die Pyrenäen, wirklich beeindruckend.

Ob das der alte Eselpfad ist, den Richard Halliburton benutzte?

Ob das der alte Eselpfad ist, den Richard Halliburton benutzte?

Unvermittelt war ich dann plötzlich in Andorra. Hallo Mr. Halliburton, es geht auch ohne Esel! Okay, das ist ein bisschen ungerecht. Fast 90 Jahre später hätte er auch keinen Esel mehr benutzt. Und ihr fragt euch jetzt, wer ist Halliburton? Dann googelt mal schön, es lohnt sich!

Die Faszination, die Andorra damals auf Richard Halliburton ausübte, ist jedoch komplett verflogen. Andorra heute ist offenbar überwiegend ein reines Skigebiet. Unzählige geschlossene Hotels am Strassenrand, lassen ahnen, was hier im Winter los ist.

Dann die Tankstellen! An jeder Ecke eine, vielleicht sollten sie ein paar an Finnland abgeben? Aber im Ernst: Super kostet dort 1,06 € (kein Tippfehler!). Vielleicht ist das auch der Grund für die zahlreichen Einkaufszentren zur spanischen Grenze hin? Vielleicht sind die Preise hier allgemein etwas günstiger als in den Nachbarländern? Auf jeden Fall stand eine kilometerlange Schlange auf der anderen Seite von Andorra. Alles Spanier, die offenbar einkaufen wollten.

Für mich war Andorra (zugegeben, bis auf das Tanken) absolut reizlos. Ich habe in der Stadt Andorra keinen Stadtkern gefunden, wo ich vielleicht einen Cappuccino hätte trinken können. Vielleicht habe ich den Stadtkern auch übersehen, wer weiß?

Im nächsten Moment war ich dann in Spanien und zunächst begeistert. Tolle Strassen, tolle Ausblicke und etwas wärmer. Dann ganz warm, dann ganz heiß! Irgendwann lief die Suppe nur noch so und ich hatte Angst vor jeder roten Ampel! Trotz Fahrtwind hatte ich konstant 37,5 Grad im Cockpit.

Und dann begann das Navi zu zicken! Ich hatte ja immer den kürzesten Weg eingestellt, um wirklich quer durch das Land zu fahren. In Deutschland und Frankreich, der Schweiz oder sogar in Italien sind das dann immer noch befestigte Strassen!

Navi: "Was ist los, ich denke Du bist eine Enduro?" Moped: ..nicht jugendfrei.. Biker: "Noch ein Wort und ich fahre BMW mit TomTom!"

Navi: „Was ist los, ich denke Du bist eine Enduro?“
Moped: ..nicht jugendfrei..
Biker: „Noch ein Wort und ich fahre BMW mit TomTom!“

Heute wurde ich zunächst auf Nebenstrassen, dann auf Wege, dann auf landwirtschaftliche Nutzwege, schließlich auf einen unbefestigten Sand- und Schotterweg geschickt. Bis auch der letzte Schotterweg plötzlich im Nichts endete. Mann, war ich genervt (Ich hatte dort andere Sorgen, als zu fotografieren. Die Horizontjägerin wollte gewendet werden!). Sengende Sonne, der Weg zu Ende und keine Ahnung wo ich bin. Der Maßstab der mitgeführten ADAC-Karten war hier natürlich nicht hilfreich.

Irgendwie habe ich dann nach einer halben Stunde wieder einen „richtige“ Strasse gefunden. Dann die Programmierung geändert und den schnellsten Weg nach Teruel eingegeben, egal ob Autobahn oder nicht!

Ich bin dann mit knapp 130 Km/h über Saragossa (Zaragoza) zum Tagesziel gejagd. Dabei habe ich das absolut hässlichste Spanien erlebt (sorry, wenn das ein Spanier liest). Völlig trockene, staubige Landschaft, Häuser, die sich in die Erde zu krallen scheinen, kein Grün, keine Bäume und kein Schatten. Ein höllisch heißer Wind, der echt anfing zu nerven. Nach über zweihundert Kilometern, kurz vor Teruel änderte sich das Bild erst, und dort fand ich, etwas ausserhalb der Stadt, dann auch noch ein absolut tolles Hostel, wo ich für 29,00€ ein Zimmer mit Frühstück fand.

Nach einer halben Stunde Dauerdusche sitze ich jetzt wieder in der Bar (kostenloses WLAN) und werde gleich einen Grillteller verschlingen und anschließend richtig gut schlafen!

Morgen geht es dann über Albacete in Richtung Malaga weiter. Mit der alten Programmierung im Navi!

 


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Tag 20 (28. August)

Wasserbett

Wasserbett

Eben schlabbert mir ein weißes Pferd mit seiner nassen Zunge durchs Gesicht, im nächsten Moment bin ich wach und Nieselregen fällt in mein Gesicht. Hätte ich das Zelt bei der drückenden Hitze gestern Abend doch schließen sollen?

Eine müßige Frage, vor allen Dingen zu spät. Was jetzt? Es ist 06:30 Uhr und eigentlich wollte ich doch bleiben. Allerdings nicht bei diesem Wetter! Aber jetzt die nassen Sachen packen? Ich suche das Handy, deaktiviere den Flugmodus (Strom sparen!) und starte Wetter.Com. Für den Standort Carcassonne wird Nieselregen angezeigt. Na, das habe ich auch gemerkt. Und die Vorhersage? Vormittags bewölkt, aber dann Sonne bis zum Abwinken. Also bleibt es dabei und ich drehe mich wieder um.

Weil ich dann zunächst doch nicht einschlafen kann, krame ich das Netbook raus und ergänze den gestrigen Blog mit den Fotos. Gestern war das WLAN so schnell wie das Internet im Büro, Upload konnte man vergessen. Jetzt geht alles reibungslos. Offenbar sind um diese Uhrzeit noch nicht sooo viele Camper online. Dann lege ich mich doch noch wieder hin und wache ganz erstaunt um 09:00 Uhr wieder auf. Was für ein Tagesbeginn!

Schnell geduscht, Baguette gekauft und dann gefrühstückt. Als alles aufgeräumt, verpackt, und verschlossen ist, mache ich mich zu Fuß auf den Weg zur Burg. Mittlerweile hat der Nieselregen aufgehört, graue Wolken verheißen zwar nichts Gutes, die Temperatur verspricht aber mit 26 Grad eine baldige Wende.

Carcassonne! Ich habe wirklich schon eine Reihe alter Burgen, Ruinen oder historischer Stätten gesehen. Meine Jungs waren manchmal schon genervt von den „alten Steinen“. Aber das hier? Ich hatte mich wie ein Biker natürlich nicht an die offiziellen und ausgeschildeten Wege gehalten. Vom Campingplatz führte ein kleiner ausgetretener Pfad an die Burgmauer. Mein erster Eindruck: giiigaaantisch. Weil ich aber quasi den Nebeneingang nutzte, änderte sich der Eindruck nach ein paar Windungen des Weges innerhalb der Burg.

Shoppen geht natürlich auch!

Shoppen geht natürlich auch!

Plötzlich stehe ich auf einem äußerst belebten Marktplatz und bin Teil einer unüberschaubaren Menge von Touristen! Diese Burg, oder besser Festungsstadt, lebt! Innerhalb dieser Stadt gibt es natürlich zahllose Restaurants, Schnick-Schnack-Läden (wer mit Kindern hierherkommt, der verlässt die Stadt mit Rittern oder Hofdamen, jede Wette!), Hotels oder sonstige Touristenfallen. Sogar das Polizeirevier finde ich! Aber es gibt auch verlassene Pfade, in denen die Zeit still zu stehen scheint und wer ein Gefühl dafür hat, der sieht Bilder aus längst vergangenen Zeiten. Fast fünf Stunden lasse ich mich so durch diese Stadt treiben und, um es kurz zu machen: wer sich in erreichbarer Nähe in Frankreich aufhält, muss hier einmal gewesen sein!

Sie wollen doch nur spielen...

Sie wollen doch nur spielen…

Als Abschluss gönne ich mir dann das große Ritterspektakel. Zufällig war heute auch die letzte Vorstellung der Saison! Hat da gerade jemand „Kinderkram“ gedacht? Genau, das war es auch zum größten Teil. Allerdings genießen die französischen Cascadeure (=Stuntmen) international einen sehr guten Ruf und die zahlreichen Mittelaltershows werden fast ausnahmslos von Cascadeuren bestritten. Ich sah also eine Show mit viel kindgerechten Comedy- und Showelementen, was die Handlung anging. Es waren die Versatzstücke aus so ziemlich allen Ritterfilmen, die wir alle schon gesehen haben.

Das ewige Spiel: "Gut" gegen "Böse"!

Das ewige Spiel: „Gut“ gegen „Böse“!

Sobald jedoch Action gezeigt wurde, hielten auch die Erwachsenen die Luft an. Was die Jungs und Mädchen auf, unter und neben den galoppierenden Pferden trieben… Und dann die Zweikämpfe! Wer schon einmal bei den Karl-May-Festspielen war, der weiß, wie es nicht aussehen soll (ich bin bekennender Festspiel-Fan und habe zahllose Aufführungen gesehen, allerdings liegt dort der Schwerpunkt auf den Geschichten. Oder so ähnlich 🙂 ).

Der Ausgang aber war eine Überraschung...

Der Ausgang aber war eine Überraschung…

Hier wurde mit einer Vehemenz aufeinander losgegangen, dass sich keiner der Akteure auch nur einen Fehler erlauben durfte. Das Timing war jedoch in allen Fällen nahezu perfekt. Als einer der („guten“) Ritter den Bösewicht packte und mit „voller Wucht“ direkt neben mir mit dem Kopf gegen einen Pfosten der Zuschauertribüne knallte, da hätte ich für Sekunden schwören können, dass die Rolle des Bösewichts jeden Tag neu besetzt wird. Also auch hier in Kürze zusammengefasst: die Show war sehr gut gemacht.

Und Humor haben die Franzosen offenbar auch: als der „verfressene, dumm-doofe“ Herzog den „guten Ritter“ am Ende der Vorstellung in den Kerker werfen wollte, begann er zu husten und fiel um. Weibliche Stimme aus dem Off: „Und die Moral von dieser Geschichte? Man soll nicht mit vollem Mund reden!“.

Moped: "Sieh zu, dass Du in den Pool kommst!"

Moped: „Sieh zu, dass Du in den Pool kommst!“

Damit geht ein langer Tag und letztlich sehr heißer wie üblich zu Ende: ich sitze in der schattigen Bar, genieße ein eiskaltes Heineken (die Horizontjägerin zeigte mir bei meiner Rückkehr vorhin 40,00 Grad an!) und nutze das freie WLAN. Ob ich allerdings heute schon viele Bilder bei dieser Geschwindigkeit hochladen werde, ist fraglich. Es sind heute fast zweihundert Fotos geworden! Andererseits hat sich der Platz in meiner Abwesenheit dramatisch geleert. Irgendwo gehen offenbar die letzten Ferien dem Ende entgegen.

Und morgen geht es in Richtung Andorra!


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Tag 19 (27. August)

Die gute Nachricht vorweg: die Horizontjägerin war heute gut gelaunt und vom Start weg arbeitswillig.

Ich hatte jetzt zwei Tage verloren und war mir morgens noch nicht so richtig im Klaren, wohin die Reise weitergehen sollte. Eigentlich hatte ich einen Abstecher nach Saintes-Maries-de-la-Mer geplant. Schließlich war es mehr als dreißig Jahre her, dass ich bzw. wir, mit unserer Gummikuh hier waren. Nebenbei: die hätte solche Defekte gar nicht gekannt, aber da gab es ja auch noch kein Internet…

Als ich dann die Karte so betrachtete, da war der kleine Umweg eigentlich kein Riesending und so machte ich mich auf den Weg, runter ans Mittelmeer.

Ich weiß nicht, wer schon alles in der Camargue war. Deswegen fällt es etwas schwer, die Luft, die Hitze und die Landschaft zu beschreiben. Damals sind wir (ungelogen) mit den Stiefeln im Teer eingesunken, heute sind die Strassen wesentlich besser ausgebaut. Das Flimmern auf der Strasse ist jedoch gleich geblieben, die in weiter Entfernung fahrenden Autos scheinen sich auf einem Luftkissen zu bewegen. Und die Pferde und die Flamingos gibt es immer noch.

Saintes-Maries-de-la-Mer hat sich teilweise sehr verändert (wer war schon mal in Scharbeutz bei sehr gutem Wetter? Alle suchen einen Parkplatz… okay?), andererseits existiert die Stierkampfarena noch (heute würde ich bei den Touristen-„Kämpfen“ auch nicht mehr mitmachen wollen, Ehrenwort!) und auch der „Campingplatz ohne Schatten“ befindet sich noch am Endes des Ortes. Was aber wirklich Erinnerungen wach werden ließ, das war mein kurzer Bummel durch die „Innenstadt“. Das Restaurant neben dem Springbrunnen gibt es auch noch, nur das die Straßenmusikanten jetzt auf einer Bühne mit Lautsprecheranlage stehen.

Pause in Beziérs

Pause in Beziérs

Von Saintes-Maries-de-la-Mer ging es dann direkt nach Carcassonne. Und diese Fahrt wurde echt spannend. Wer in seinem Navi Autobahnen streicht und gleichzeitig die Kürzeste Route wählt, sieht ein Frankreich fernab aller Touristenströme. Bis Beziers fuhr auch ich auf ausgebauten Landstrassen, durch Gewerbegebiete und Innenstädte, die sich so gar nicht von unseren unterscheiden. Aber plötzlich ging es im Kreisverkehr nicht die „zweite Ausfahrt“ (diese Formulierung kann ich bald nicht mehr hören, soll heißen: geradeaus!), sondern die erste Ausfahrt raus.

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Weitab der Hauptstrassen

Dann begann eine knapp 90 minütige Fahrt über landwirtschaftliche Nutzungswege durch die Herzen der Wein- und Apfelanbaugebiete. Die Winzer mussten an eine Erscheinung gedacht haben. Ortschaften mit so engen Durchfahrtsstraßen und Ortskernen, in denen sich jedes Wohnmobil verkeilt hätte. Die Tachonadel stieg nie über 80Km/h, die Handschuhe lagen schon lange im Tankrucksack und die Jacke war bei 30 Grad weit geöffnet… einfach herrlich.

So ging es bis knapp 20 Kilometer vor Carcassone. Am Ortseingang sah ich ein IBIS-Budget-Hotel und mich ritt der Teufel: Gucken kostet ja nichts? Als ich dann den Preis von 57,00€ pro Nacht an der Preistafel im Eingang sah, war dies nicht in meinem Budget. Also das Navi nach dem nächsten Campingplatz befragt und siehe da: Camping-Cite-Carcassonne direkt unterhalb der Burg war nur ein paar Meter weiter weg.

Weshalb der Blick ins Hotel? Der Himmel wurde immer dunkler, mittlerweile (20:15 Uhr) ist der Himmel dunkelgrau und es pustet richtig stark. Aber der Campingplatz ist in kleine Parzellen durch hohe Hecken unterteilt und damit greift der Wind überhaupt nicht in den Stellplatz. Nicht einmal die Wäsche und die Badehose fallen von der Leine. Denn das ließ ich mir auch nicht entgehen.

Direkt nach der Ankunft und dem Zeltaufbau ging es sofort in den Pool. Und jetzt? Noch ein bisschen chillen, vielleicht in Französisch Europaleague schauen… Mal sehen.

Carcassonne

Carcassonne

Wenn das Wetter mitspielt, dann werde ich morgen einen Tag hier bleiben und mir diese einzigartige Burg/Stadt anschauen. Wenn es regnet, dann weiter: der Sonne entgegen!


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Tag 18 (26. August)

P1020158„Es ist 08:50 Uhr und ich stehe auf dem Parkplatz vor dem Honda-Händler in Alés. Es ist bereits ziemlich warm, gefühlte 29 Grad, und gleich bekomme ich meine Maschine wieder. Alles ist gut!“

Das wäre die richtige Bildunterschrift gewesen, allerdings stimmt der vorletzte Halbsatz nicht sooo ganz.

Gestern gegen 18:00 Uhr rief mich endlich der ADAC zurück und teilte mir mit, die Ursache wäre laut Honda-Werkstatt ein defekter Zündschlüssel! Ob ich denn einen zweiten Schlüssel dabei hätte?

Gottseidank hatte ich „zufällig“ einen mit! Also riet mir der Mitarbeiter am Telefon gleich morgen früh nach Alés zu fahren und dann könne ich die Maschine ggf. gleich wieder mitnehmen. Taxi (bis 30,00€) zahlt der ADAC.

Also saß ich heute morgen vor dem Campingplatz, stieg pünktlich um 08:30 Uhr ins bestellte Taxi und harrte dann ungeduldig (siehe Bild) vor der Honda-Vertretung.

Nachdem der erste Mitarbeiter vor Ort kein Wort englisch sprach (!?), dolmetschte mir kurz darauf sein jüngerer Kollege: Sooo einfach wäre das nicht und wäre auch von der Werkstatt nicht gegenüber der „assistance“ so beschrieben worden. Ja, sie bräuchten einen funktionsfähigen Schlüssel, um die „Daten auslesen zu können“ (?), anschließend erfolgt eine Neuprogrammierung und das würde wohl noch einen Arbeitstag daueren, eventuell müssten auch Teile bestellt werden.

Danach war mir das Lachen vergangen. Meine Taxi-Freifahrt hatte ich aufgebraucht, langsam wurde mir auch sehr warm und ich war kaum einen Schritt weiter.

Die beiden Mitarbeiter wirkten wirklich sehr hilfsbereit, aber offenbar scheint das Problem „difficile“ zu sein. Mein Französich steigert sich stündlich!

Nachdem der jüngere Mitarbeiter sich meinen Telefonnummer notiert (er will mich noch heute zurückrufen) und dann ein Taxi für die Rückfahrt gerufen hatte, sah ich auf seinem PC einen Desktophintergrund von Norwegen. Als ich ihm erzählte, dass ich vor knapp zwei Wochen noch dort gewesen sei, war er ganz interessiert und wir kamen kurz ins Gespräch.

Zum Abschluss fragte er dann, weshalb ich denn keine BMW fahren würde… Er hätte ein paar Jahre beim BMW gearbeitet und die wären doch wirklich besser für so eine Fahrt geeignet. Und dann, mit einem Grinsen, „Jeder macht mal einen Fehler“!

Diese Franzosen.

Stunden später…

Moped: "Du könntest Dich ruhig freuen, mich wiederzusehen!" Biker: "Weisst Du, was ich bezahlt habe!!"

Moped: „Du könntest Dich ruhig freuen, mich wiederzusehen!“
Biker: „Weisst Du, was ich bezahlt habe!!“

Es ist 14:21 Uhr, als der erlösenden Anruf eingeht. Die Maschine ist fertig. Also erneut Taxi bestellen und erneut umgezogen (jetzt locker 33 Grad). Es ist erneut der gleiche Taxifahrer (zum dritten Mal!) und ich radebreche, ob er der einzige Taxifahrer in Alés sei. Er erklärt mir, dass es in dieser Kleinstadt nur sechs Taxifahrer in einer Gruppe („centrale“?) gäbe. Normalerweise sind die nur mit Krankentransporten („substitue“, „hospital“) beschäftigt. Na, wenn das nicht passt! Ich vermeide beim Abschied ein „au revoir„, ich möchte ihn eigentlich nicht noch einmal bestellen und damit wiedersehen müssen 😉

In der Werkstatt erklärt mir Jerome (der jüngere Schrauber!) den Defekt. Dieses HiTech-Motorrad verfügt über einen Kippsensor, der bei einem Sturz oder einem Unfall ab einem gewissen Neigungswinkel dafür sorgt, dass der Motor ausgeschaltet wird.

"Dachtest Du, es gibt heute noch eine Ehrenrunde?"

„Dachtest Du, es gibt heute noch eine Ehrenrunde?“

Dieses blöde Teil hatte die Arbeit eingestellt und dem Gehirn zuletzt mitgeteilt, die Horizontjägerin läge auf der Seite. Es gibt so Momente, da träume ich wieder von Zündapps :-)!

Also Kreditkarte raus, lächeln (notgedrungen!) und zahlen.

Zurück auf dem Platz habe ich das Moped erst einmal zum Trockendienst verdonnert, Waschen musste ich selber.

Dann habe ich mich rücklings im Le Gardon d’Anduze treiben lassen. Der Fluss verläuft direkt am Campingplatz vorbei. Knapp 60 Meter breit und maximal einen Meter tief, fließt er völlig ruhig vor sich hin. Der Grund, den man aufwühlt, ist aufgrund der Strömung innerhalb weniger Minuten wieder klar. Hunderte von kleinen Fischen schwimmen um einen herum, die Sonne glitzert auf dem fließenden Wasser und ich muss aufpassen, hier nicht einzuschlafen. Herrlich!

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Le Gardon d’Anduze

P1020159Später (genauer jetzt) sitze ich wieder in der Bar/Restaurant, sortiere die Bilder, schreibe den Blog und versuche, mich nicht über die Reparatur zu ärgern. Und den Preis werde ich hier nicht nennen!

Morgen geht es endlich wieder auf die Strasse!


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Tag 17 (25. August)

Heute testen wir den ADAC-Schutzbrief…

Der Übel"melder": das zweite von rechts in Rot!

Der Übel“melder“: das zweite von rechts in Rot!

Alles war gut: das Wetter, die Croissants, sogar mein Kaffee (mit dem Campingfilter!) gelang mir. Dann war alles gepackt, alles verschnürt, das Gesicht mit Sonnenmilch versorgt (so ein dreieckiger Sonnenbrand im Gesicht sieht Sch… aus) und voller Vorfreude drückte ich den Anlasser.

Das Geräusch gebe ich nicht wieder, das kennt jeder Auto- und Motorrradfahrer. Die Kiste sprang nicht an. Dann bemerkte ich auch dieses völlig neue Lämpchen. FI, aha? Was mag das bedeuten?? Handbuch rausgekramt: „Störung in der computergesteuerten Einspritzanlage, Werkstatt informieren!“

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Ganz kurz war ich versucht, den Helpdesk (von wegen „computergesteuert“!) anzurufen. Ich habe mich dann aber doch für den ADAC entschieden.

Und jetzt sitze ich hier und soll warten…. Dann kann ich zumindest das 24h-WiFi ausnutzen!
Fortsetzung folgt!

P.S. Ich lächle nicht, ich fletsche die Zähne 🙂

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Um 12:06 Uhr: da geht sie hin…

Denk nicht einmal daran, Du kommst zurück!!

Denk nicht einmal daran, Du kommst zurück!!

Und während ich so warte (…und warte…) erreicht mich eine E-Mail von den Zündapp-Freunden (Tag 8, Norwegen, Supermarkt, Bardu…). Die sind offenbar glücklich und gesund nach 9735 Km (in 26 Tagen und 330 Stunden) zurückgekommen. Und jetzt weiß ich auch, weshalb sie meine Begeisterung nicht so richtig nachvollziehen konnten. Offenbar habe ich in meiner Müdigkeit eine etwas blöde Formulierung gewählt…

Das wäre jetzt der Moment, wo mein damaliger Spruch umgekehrt ein Volltreffer wäre 🙂

Mit einer Zündapp wäre mir dieses Panne definitiv nicht passiert!


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Tag 16 (24. August)

Blick aus meinem Fenster... eigentlich hätte man auch gleich wieder ins Bett gehen können.

Blick aus meinem Fenster… eigentlich hätte man auch gleich wieder ins Bett gehen können.

Wenn ein Tag schon mit prasselndem Regen anfängt… Das Positive: das Frühstück war super, der „Wirt“ setzte sich noch zu mir und wir beide radebrechten über das Wetter.

Auf dem Weg zur Landstrasse stand ich dann plötzlich vor dem Hotel Mont Blanc. Was hatte ich für ein Glück gehabt. Ein sehr moderner 4-Sterne-Kasten, mit 30€ wäre ich hier nicht weit gekommen.

Dann ging es vier Stunden durch strömenden Regen bei absoluter Windstille.

Resultat: das Wasser fiel mir von oben in den Kragen. Da lobe ich mir norwegischen Regen mit Wind!

 

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Sönke! Die Regenjacke ist nicht wasserdicht... Nur als Warnung!

Sönke! Die Regenjacke ist nicht wasserdicht… Nur als Warnung!

Aus den Augenwinkeln und hinter den Regentropfen auf dem Visier gab es eine Menge zu ahnen (wem kommt das bekannt vor?), aber ich wollte nur noch weiter, weiter und der Sonne entgegen.

Camper & Biker suchen Schutz vor dem Regen!

Ein seltenes Bild: Camper & Biker suchen Schutz vor dem Regen!

Und wie stark der Regen heute war, kann man vielleicht daran ermessen, dass ich in Saint-Nazaire-en-Royans sogar eine deutsche Camper-Familie traf, die sich mit ihrem Wohnwagen unterstellen mussten. Die Dichtungen des Aufbaus waren wohl porös und der Wohnwagen „nahm“ Wasser. Und das nicht zu knapp.

Irgendwann gegen 13:00 Uhr hatte ich es dann geschafft, ich war aus den Bergen raus und die Wolken blieben hinter mir und ich riss mir die nassen Regensachen runter!IMG_2846

Das ich dann später auf meinem Thermometer 44 Grad angezeigt bekam, spielte kaum noch eine Rolle. Es wurde also noch richtig warm und ich ließ den Tag durch endlose Weinberge, an alten Herrenhäusern vorbei und über einsame Landstrassen ausrollen.

Schließlich fand ich einen französichen Campingplatz, fest in holländischer Hand und der Name erinnert mich irgendwie an einen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten. Aber es war ein langer Tag (auf der schlammigen Auffahrt zum Campingplatz hätten wir uns fast lang gelegt…) und ich bin echt müde. Wer es noch nicht bemerkt hat: bis jetzt haben wir noch keinen Zentimeter Autobahn in Frankreich berührt. Es strengt aber wirklich an…


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Tag 15 (23. August)

Die Schweiz - nicht immer so schön

Die Schweiz – nicht immer so schön

Heute war wieder Regen angesagt. Obwohl ich bei strahlendem Sonnenschein startete, durfte ich ab Basel wieder Regenzeug anziehen. Durch den Regen war ich etwas unaufmerksam und verpasste die letzte Autobahnabfahrt und sollte dann eine Vignette kaufen! Dank eines netten Kollegen wurde dann auf der Autobahn der Verkehr angehalten und ich drehte wieder um.

Die Schweiz nur über die Landstrasse zu befahren, kann teilweise interessant sein, ist es aber auf die Dauer nicht. Wer das vor hat, sollte es sich wirklich überlegen.

Dann war ich endlich am Genfer See, bin bei Freddie gewesen und habe das „neue“ Casino in Montreux gesehen. Vor dem Casino sangen die Horizontjägerin und ich im Duett

„We both came down to montreux…
On the Lake Geneva shoreline…“

und wer das jetzt glaubt, dem kann ich nicht helfen und wer den Zusammenhang nicht kennt, dem ist… okay, Themawechsel!

Mittlerweile war aus dem „ab-und-zu“-Regen ein „jetzt-mach-ich-Dich-naß“-Dauerregen geworden. Weil ich aber gar nicht erst Schweizer Franken wechseln wollte, beeilte ich mich, den Boden der Grande Nation zu erreichen, um dort dann ein Hotel oder eine Pension zu suchen. Im Regen wollte ich nicht campen.

Besser, als das Zelt im Regen aufbauen!

Besser, als das Zelt im Regen aufbauen!

Nach drei Fehlversuchen und stärker werdenden Regen war ich bereits echt genervt und es wurde auch langsam dunkel! Im letzte Hotel gab man mir einen Tipp für das Hotel Mont Blanc im nächsten Ort. Ich fand es aber nicht. Dann fiel mir mein Navi ein. Dort war diess Hotel aber auch nicht verzeichnet und ich gab notgedrungen Campingplatz „in der Nähe“ ein. Das blöde Ding jagte mich im dichten Regen die Serpentinen hoch in die Berge. Und dann, 4km vor Saxias in den Alpen, sah ich im Vorbeifahren an einem großen Haus irgendetwas mit „Chambre“. Bremsen und Wenden war eins und ich fand ein total sensationelles Hotel. Junge Typen, so ein bisschen alternativ, alles ohne Rechnung, total gastfreundlich (weil ich nicht mehr Bargeld als für die Übernachtung hatte, lud mich der „Wirt“ abends auf ein Bier ein!). Mit einem reichhaltigen Frühstück für 30€ und einem riesigen Zimmer. Das entschädigte für den Regen und die Hütte in Finnland!


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Tag 14 (20. August)

Deutsche Autobahnen sind für Motorradfahrer nach meiner Meinung nur ein notwendiges Übel um große Distanzen zu überbrücken. Na klar, ich hätte auch nur Bundes- und Landstrassen für den Weg in Richtung Schweiz auswählen können. Aber so richtig schön wäre das dann auch nicht geworden.

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Autobahnraststätten: Abenteuer und Romantik pur 🙂

Also morgens um 08:30 Uhr bei dichtem Nebel und 15 Grad rauf auf die Bahn, Augen zu (sprichwörtlich!) und durch. Was bleibt von diesem Tag hängen? Es gibt sie noch immer: die Rindviecher und sturen Linksfahrer, die notorischen Raser und natürlich die Motorradhasser. Ich wollte diese relativ lange Etappe ganz entspannt  angehen und hielt konstant eine Reisegeschwindigkeit von knapp 130Km/h. Dabei musst ich feststellen, dass dies genauso viel Nerven kosten kann, wie meine Vollgasjagd von 2013.

Dann gab es noch die beiden Goldwings mit der kompletten Tourenausstattung auf dem Anhänger und die Biker im Auto. Jungs (bzw. Mädels…)! Weshalb kauft man sich denn ein Reisemotorrad um dies dann auf den Anhänger zu verfrachten? Und dann nach der Rückkehr erzählen „Ich war mit dem Bock in den Dolomiten!!“. Echte Poser! Aber das ist nur meine Meinung 🙂

Gegen 18:00 Uhr bin ich dann bei lieben Freunden in Gegenbach untergekommen (richtig: nicht in Freiburg!).

Das Sahnehäubchen war dann abends die Aufholjagd von Borussia Dortmund.

 

 


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Boxenstopp…

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„Und was ist mit mir? WASCH mich!!“

 

Zugegeben: mit solch einem Boxenstopp hätte ich in der Formel 1 echte Probleme 🙂

Aber tatsächlich waren ein paar Dinge zu erledigen, die im Blog nicht erwähnt sind. Eine störrische Kreditkarte spielte dabei eine nicht unerhebliche Rolle.

Nun geht es aber morgen weiter! Das Gepäck ist neu sortiert („tausche lange Unterhose gegen Badeshorts“) und ein paar Dinge, die sich als überflüssig erwiesen haben, bleiben zuhause.

Das ich bei der Gelegenheit dieses Tiefdruckgebiet vorbei lassen konnte… gewußt wie!


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Tag 13 (13. & 14. August)

P1020118Es ist 00:30 Uhr und gerade eben habe ich die dänisch-deutsche Grenze bei Flensburg überquert. Rechts leuchtet der Autohof verheißungsvoll und ich rieche förmlich den Becher Kaffee. Runter auf die Abfahrt, den Blinker links gesetzt und hinter einer weiten Rechtskurve wartet die verdiente Pause. Im nächsten Moment reagiert das Gas nicht mehr, die roten Lampen gehen an und meine Horizontjägerin rollt mit einem letzten Husten aus. 500 Meter vor der Tankstelle, das kann doch nicht wahr sein!

Und der Tag hatte so gut angefangen. Bei wirklich bestem Wetter genoß ich noch einmal den Luxus des 4-Sterne-Campingplatzes in Fagernes (die Duschen sind der Wahnsinn!!), packte in aller Ruhe mein Zelt und verstaute alles vorerst zum letzten Mal. Dann ging es auf die Landstrasse und dank guter Vorplanung (gute Vorplanung ist ja alles!!) rollte ich noch einmal durch einen norwegischen Urlaubsprospekt.

IMG_2761An netten Plätzen machte ich Pause, genoß Kaffee und Kekse und kam schließlich gegen 15:00 Uhr in Larvik an!

Am Schalter der ColorLine-Reederei ging der Check-In gewohnt schnell und dann stand ich in strahlendem Sonnenschein in Startposition vor dem Zaun. Die Fähre kam und das Boarding ging ohne Probleme, sogar den Spanngurt zur Sicherung der Maschine konnte ich fehlerfrei bedienen. Heute konnte nichts mehr schief gehen.

IMG_2772Ich verbrachte die Zeit der Überfahrt überwiegend in der Panorama-Bar, genoß einen leckeren Salat mit Scampis und machte mich an die weitere Planung der Rückfahrt. Laut ADAC-Karten beträgt die Entfernung Hirtshals – Flensburg knapp 340 Kilometer. Meine Horizontjägerin hat einen 25 Liter-Tank. Der Verbrauch lag bisher im Schnitt bei rund 5,5 Litern. Selbst mit einem Verbrauch von 7 Litern würde ich also noch locker Reserven für diese läppische Entfernung haben. Wie gesagt, gute Vorplanung ist alles!

IMG_2793Mit der untergehenden Sonne im Rücken liefen wir um 21:15 Uhr pünktlich in Hirtshals ein und um 21:35 Uhr ging es dann in Richtung Deutschland. Die Geschwindigkeitsbeschränkungen in Dänemark wurde generell eingehalten und wir brausten ungebremst in Richtung Süden. Irgendwann passierten wir das Autobahnkreuz bei Kolding, heute gab es keinen Stau! Hatte ich schon den Gegenwind erwähnt? Nein? Dem maß ich auch keine Bedeutung bei. Bis zu jenem Moment um 00:30 Uhr!

Wer schon einmal nach mehrstündiger Fahrt steifgesessen vom Moped steigt um dann eine vollbeladene Tourenmaschine auf finsterer Landstrasse zur nächsten Tankstelle schieben zu dürfen, der darf jetzt grinsen. Ihr anderen haltet euch bitte zurück. Das war nicht witzig!

Zumindest weiß ich jetzt, das wirklich genau 25 Liter in den Tank gehen und dass ab 300 Kilometer in Zukunft sofort getankt wird. Denn offenbar steigt der Verbrauch bei höherer  Belastung potential…

Die restlichen 133 Kilometer waren dann kein Problem mehr. Um 02:10 Uhr stand ich nach 13 Tagen und ziemlich genau 6500 Kilometern wieder auf dem Hof. Jetzt werden erst einmal ein paar Kleinigkeiten geregelt (u.a. weshalb eine Kreditkarte ihre Dienst verweigerte?) und dann geht es in der nächsten Woche weiter. Ich habe da einen Termin für eine Work-Out-Party!

Home Sweet Home!

 

 

 

 


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Tag 12 (12. August)

Vor der 3-Biker-Hütte: Frank, Ansgar & Gerard

Vor der 3-Biker-Hütte:
Frank, Ansgar & Gerard

Das war gestern wirklich ein netter Abend, das erste Mal seit fast zwei Wochen, in denen ich mich auf Deutsch unterhalten konnte. Ansgar und Gerard waren bzw. sind (natürlich!) zwei nette BMW-Biker und gemeinsam plünderten wir die Biervorräte des Campingplatzes restlos… So, die Augenbrauen können wieder in Ruhestellung, denn der Wirt hatte nur noch vier Flaschen! Insofern hielt sich die Plünderung in Grenzen.

Das wäre auch für den vor uns liegenden Tag nicht die optimale Vorbereitung. Obwohl wir zunächst in die gleiche Richtung wollten, trennten wir uns schon vor der Hütte. Ich kenne die Trollstiegen ja bereits und wollte deshalb nicht mit auf die Aussichtsplattform. Aber wer dort noch nicht war, der sollte sich unbedingt auf die „Lüftungsgitter“ stellen.

Ein Wiedersehen!

Ein Wiedersehen!

Bei meinem kurzen Abstecher zurück nach Andalsnes (einmal volltanken), traf ich dort erneut auf die Aida Sol. Genau wie vor einem Jahr, hatte das Kreuzfahrtschiff hier wieder fest gemacht.

Dann ging es aber los, rauf auf die Trollstiegen. Der leichte Nieselregen erschwerte leider die Sicht und machte das Fahren in den Serpentinen nicht leichter. Trotzdem, das ist immer wieder g…!!

Ein Traum zum Fahren!

Ein Traum zum Fahren!

Am Plateau hielt ich mich dann auch nicht auf, sondern lenkte direkt weiter nach Geiranger. Es wurde eine richtig tolle Fahrt (bis auf den Nieselregen halt). Hinter Geiranger dann rauf auf die Berge, über die Schneegrenze und es wurde heute zum ersten Mal richtig kalt! Dalsnibba ließ ich im wahrsten Sinne des Wortes links liegen. Ich kenne die Aussicht und die Sicht wäre wetterbedingt auch nicht wirklich gut gewesen. Hinter dem Djupvatnet bog ich jetzt aber nicht nach rechts in Richtung Stryn ab (Sönke, Erdie, Ragnar etc.: ihr kennt den Weg??). Die E15 war perfekt ausgebaut und zügig näherte ich mich meinem letzten fahrerischen Prüfstein in Norwegen. Mittlerweile hatte das Wetter auch umgeschaltet auf strahlenden Sonnenschein!

 

 

Ein unscheinbarer Wegweiser wies schließlich nach rechts in eine ganz enge Einmündung und ich war wieder auf der Provinzstrasse (Fylkesvei = Fv) 51. Ich habe schon einmal an anderer Stelle von dieser Straße geschwärmt und bleibe dabei. Für solche Straßen sind Tourenmaschinen erfunden worden, ganz egal ob BMW, Harley oder meine Varadero. Und wer von euch jemals mit dem Motorrad nach Norwegen kommt: hier müsst ihr durch! Ihr werdet es nicht bereuen.

 

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Von tiefen Wäldern geht es durch Seenlandschaften auf eine Hochebene mit unglaublichen Aussichten. Heute war es trotz Sonnenschein nur sehr, sehr windig und erneut fror ich kräftig durch. Bis auf 9 Grad fiel die Temperatur und ich verliebte mich erneut in die Griffheizung!

Als ich von der eisigen Hochebene über die weiten Kurven wieder in wärmere Gefilde herunterpendelte, da war das schon etwas wie Abschied nehmen. P1020108Nur noch 31 Kilometer bis Fagernes (es ist doch schön, wenn man einen Campingplatz schon kennt 🙂 ), aber mein Crocodile hatte noch einen Überraschung bereit. Plötzlich weist die Fahrtrichtung bei Skammestein (siehe Karte) nach rechts. Na gut, denke ich, dann kennt das Gerät vielleicht eine Abkürzung nach Fagernes? Nein, das war keine Abkürzung, das war noch einmal ein Nachschlag (oder besser einen große Portion) Norwegen aus dem Bilderbuch.

Die vielleicht letzte Nacht in Norwegen?

Die vielleicht letzte Nacht in Norwegen?

Eine einsame Landstraße führte mich über verschiedene Berge, durch dunkle Wälder und an mehreren Wasserfällen und Seen/Flüssen vorbei.

Offenbar hatte ich mich bei der Tourenplanung seinerzeit auf der Karte verklickt und die Software hat daraus einen großen Kreis um Fagernes geroutet.

Ich war sehr gut in der Zeit und deshalb war das kein Problem. Aber einen kurzen Moment wollte ich glauben, mein Navi könne Gedanken lesen.

In Fagernes fand ich den bekannten 4-Sterne-Platz wieder und bei 25 Grad hatte ich das Zelt schnell aufgebaut.

Witzigerweise entstand genau hier, auf diesem Campingplatz, vor einem Jahr die Idee zu der Tour, von der ich jetzt knapp die Hälfte zurückgelegt habe.

Morgen geht es dann in einem Rutsch zurück nach Larvik und mal sehen welche Fähre ich dann nehmen werde.

Ein Nachtfahrt durch Dänemark hat ja auch etwas…


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Tag 11 (11. August)

Ich sitze in einer Vier-Personen-Hütte im Trollstiegen-Ressort bei Åndalsnes, draussen stürmt und regnet es und ich fühl mich pudelwohl. Die Dose „Maxboller mit Tomatensauce“ war scharf und heiß und tat auch not.
Und wenn Du, Jörg, mir noch einmal Sturm und Regen auf der Atlantikstrasse wünscht…

 

Frühstück an einer Burg

Frühstück an einer Burg

Heute Morgen schien es ein (was das Wetter anging) ein richtig schöner Tag zu werden. Das Zelt war schnell abgebaut (Ha, nichts verlernt!) und rauf auf die Landstraße. Trondheim lag schnell hinter mir und mein Urteil über die E6 muss ich einschränken. Ab (bzw. bis zu) dem Großraum Trondheim wurde sie nervig, eintönig und voller Verkehr. Und nicht alle Norweger fahren zügig. Die größten Heizer sind dabei noch die Trucker.
Kurz hinter Trondheim bog ich dann aber auf die E39 ab. Mein Ziel war die Atlantikstrasse, die mir ein lieber Freund dringend empfohlen hatte (ja, du bist gemeint, Jörg!).

Norwegen wie aus dem Bilderbuch

Norwegen wie aus dem Bilderbuch

Die E39 führt wieder durch ein Norwegen wie aus dem Bilderbuch. Und wie ich so fahre und staune, fällt mein Blick auf die Berge und dort hängen so weiße Fäden in der Luft. Das wird doch nicht… doch, es ist: Regen. Also rein in die bekannten Regensachen (das Anziehen geht jetzt auch immer schneller!) und kaum habe ich den Reißverschluss zugezogen, fängt der Wolkenbruch auch an. Schlimmer kann es ja gar nicht kommen, denke ich noch!

Auf dem Weg nach Kristiansund muss ich wieder die Fähre benutzen, das Wetter klart auf und ich nutze die Regenpause zum erneuten Kleiderwechsel. Den Autofahrern auf der Fähre bietet sich ein veritabler Striptease… etwas hüftsteif vielleicht.

Kristiansund

Kristiansund

Wenig später rolle ich nach Kristiansund hinein und ich traue meinen Augen nicht! Schwarze Wolken vom Atlantik! Ich meine so richtig schwarze Wolken! Von wegen black-is-beautiful. Da zieht ein richtiges Unwetter heran. Vor der berühmten Atlantikstrasse geht es durch einen 6 Kilometer langen Unterwassertunnel, dort nutze ich eine der Notfallbuchten, um mich erneut umzuziehen. Eine gute Idee. Ich komme aus dem Tunnel und stehe unter Wasser!

Ein Lichtblick

Ein Lichtblick

Blitze, Donner und Regentropfen wie Hagelkörner. Jetzt will der Troll an der Mautstelle auch noch, dass ich meine Regensachen öffne und das Portemonnaie zücke? Ohne mich, kehrt marsch und zurück in den Tunnel. Ich fahre durch, bis Kristiansund, und bleibe unter der erstbesten Brücke stehen. Für fast 30 Minuten. Um mich herum donnert und blitzt es, die Straßenbeleuchtung geht plötzlich aus (Stromausfall?)! Und ich? Ich trinke in alle Ruhe ein paar Tassen heißen Kaffee aus meiner Thermoskanne. Mehr geht im Moment sowieso nicht.

Die Atlantikstrasse

Die Atlantikstrasse

Als die ersten blauen Flecken wieder am Himmel zu sehen sind, geht es erneut durch den Tunnel und weiter auf die Atlantikstrasse. Sehr beeindruckend, leider bei diesem Wetter nicht sehr einladend. Es hat nämlich nur das Gewitter nachgelassen! Danke Jörg  🙂 !

Das war es also mit meiner Fahrt entlang der Küste, das Navi lenkt mich jetzt in das Landesinnere, in Richtung Åndalsnes. Letztes Jahr war ich hier schon einmal und damit habe ich einen Fixpunkt für den Weg zurück nach Hause.

Dunkle Wolken ohne Ende...

Dunkle Wolken ohne Ende…

In Åndalsnes regnet es wieder und alle kleinen Hütten sind belegt. Ebenso wie ich sind zwei Biker aus Köln und Luxemburg auf der Suche nach einer Hütte. Schließlich werden wir uns einig, dass wir uns eine 4-Personen-Hütte (incl. Bad und Küche) teilen. So wird dies eine günstige Nacht mit allem Komfort.


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